Wochenexkursion EGT4 2026

Im Rahmen des 4. Semesters im Studiengang Energie- und Gebäudetechnologie (EGT) unternahm eine Gruppe von elf Studierenden vom 20. bis 24. April eine mehrtägige Fachexkursion mit vielfältigen Themenschwerpunkten der Energie- sowie Gebäudetechnik.

Zum Auftakt standen mit dem SAP Garden in München sowie einer Geothermieanlage der Erdwärme Grünwald zwei Stationen auf dem Programm, die insbesondere moderne Gebäudetechnik und nachhaltige Wärmeversorgung veranschaulichen. Am folgenden Tag wurde im Hofoldinger Forst eine Windenergieanlage besichtigt, wodurch praxisnahe Eindrücke zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien gewonnen werden konnten. Ergänzend dazu erhielten die Studierenden im Rahmen einer Führung durch die Brauerei Aying Einblicke in industrielle Produktionsabläufe sowie die damit verbundenen energie- und gebäudetechnischen Anforderungen.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Energieerzeugung und -speicherung. Das Walchenseekraftwerk vermittelte anschaulich die Nutzung von Wasserkraft, während bei der Zugspitzbahn technische Aspekte großskaliger Infrastrukturanlagen thematisiert wurden. Mit dem Gemeinschaftskraftwerk Inn der TIWAG im Kaunertal folgte ein bedeutendes Beispiel der Wasserkraft im alpinen Raum. Im Landeskrankenhaus Hall in Tirol konnten zudem komplexe gebäudetechnische Systeme im laufenden Betrieb betrachtet werden.

Den Abschluss bildeten Besichtigungen bei INNIO in Jenbach sowie beim Wärmepumpenhersteller Ovum, die aktuelle Entwicklungen in der Energieumwandlung und Wärmetechnik verdeutlichten.

Die Exkursion bot insgesamt eine ausgewogene Verbindung von Energie- und Gebäudetechnik und ermöglichte es den Studierenden, theoretische Inhalte des Studiums durch praxisnahe Erfahrungen zu vertiefen.

Näheres zu den besuchten Exkursionszielen:

  • SAP Garden
    Der Besuch im SAP Garden in München vermittelte Einblicke in die flexible Nutzung moderner Multifunktionsarenen. Thematisiert wurden insbesondere das Konzept der abdeckbaren Eisfläche in Bezug auf die Nutzung als Eishockey- und Basketballarena. Zudem wurden Aspekte der Lüftungs-, Klima- und Kältetechnik im Zusammenhang mit dem thermischen Komfort für Zuschauerbereiche erläutert. Auch die auf dem Dach installierten Photovoltaik-Module und das Energiekonzept der Anlage wurden vorgestellt. Ergänzend wurden logistische Abläufe, insbesondere im Bereich der Anlieferung über das sogenannte „Elefantentor“, betrachtet.
  • Erdwärme Grünwald
    Bei der Erdwärmeanlage in Grünwald erhielten die Studierenden Einblicke in die Nutzung von Geothermie zur Energieerzeugung. Vorgestellt wurden die grundlegenden Prozesse der Wärmegewinnung sowie die technische Umsetzung der Anlage. Dabei konnten verschiedene Anlagenteile wie Wärmetauscher, Pumpensysteme und Rohrleitungen besichtigt werden. Zudem wurden Aspekte der Wärmeübertragung und des Anlagenbetriebs erläutert.
    Ergänzend wurde die Stromerzeugung mittels ORC-Anlage vorgestellt, bei der die geothermische Wärme genutzt wird, um über eine Turbine elektrische Energie zu erzeugen.
    Im Anschluss wurde die Bohrstelle besucht, an der aktuelle Arbeiten zur Erschließung der geothermischen Ressourcen durchgeführt werden.
  • Windenergie-Hofoldinger Forst
    Bei der Windenergieanlage im Hofoldinger Forst erhielten die Studierenden Einblicke in den Aufbau und die Funktionsweise einer bereits in Betrieb befindlichen Anlage mit einer Leistung von 5,56 MW. Im Rahmen der Führung wurden die Bauphase sowie die einzelnen Schritte der Planung und Genehmigung erläutert. Anschließend wurde der Innenbereich der Anlage besichtigt, wobei zentrale Komponenten der Windkraftanlage vorgestellt wurden.
  • Brauerei Aying
    Im Rahmen einer Führung durch die Brauerei Aying erhielten die Studierenden Einblicke in Produktionsprozesse und das Brauwesen. Dabei wurden insbesondere thermische Prozesse wie Erhitzen und Kühlen thematisiert. Verschiedene Anlagenteile, darunter auch Wärmeübertrager, konnten besichtigt werden. Zudem wurde die Abfüllanlage vorgestellt, bei der unter anderem ein Gegendruckfüller (Fabrikat Krones) zum Einsatz kommt, insbesondere für kohlensäurehaltige Getränke.
  • Walchenseekraftwerk
    Der nächste Programmpunkt der Exkursion war das Walchenseekraftwerk, ein Hochdruck-Speicherkraftwerk mit einer installierten Leistung von rund 124 MW. Die Anlage nutzt eine Fallhöhe von etwa 200 m zwischen Walchensee und Kochelsee zur Energiegewinnung. Das Wasser wird über mehrere Druckrohrleitungen zur Maschinenhalle geführt. Dort sind insgesamt acht Turbinen installiert, darunter vier Francis-Turbinen mit jeweils etwa 18 MW sowie vier Pelton-Turbinen mit jeweils rund 13 MW Leistung. Die Pelton-Turbinen arbeiten mit Freistrahlen und sind für hohe Fallhöhen ausgelegt, während Francis-Turbinen für kontinuierliche Durchflüsse optimiert sind. Die Turbinen treiben Generatoren zur Stromerzeugung an, wobei sowohl Drehstrom als auch Bahnstrom erzeugt wird. Die Anlage stellt ein bedeutendes Beispiel für effiziente Wasserkraftnutzung in alpinen Regionen dar.
  • Zugspitz-Seilbahn
    Im weiteren Verlauf wurde die Seilbahn Zugspitze besichtigt, eine moderne Pendelbahn mit hoher Förderleistung im alpinen Raum. Die Anlage hat einen Höhenunterschied von knapp 2.000 m und gehört zu den leistungsfähigsten Seilbahnen weltweit. Im Rahmen der Besichtigung wurden die Maschinenhalle sowie der Generatorraum für den Notbetrieb näher betrachtet. Technisch basiert die Bahn auf einem Tragseil-Zugseil-System mit zwei fest verankerten Tragseilen und einem umlaufenden Zugseil. Der Antrieb erfolgt über leistungsstarke Elektromotoren, die über große Antriebsscheiben die Bewegung der Kabinen steuern. Zusätzlich wurden Spannsysteme mit Gegengewichten zur konstanten Seilspannung analysiert. Außerdem wurde die frühere Seilbahnanlage in ihrer historischen Bauweise kurz gezeigt und im Vergleich zur heutigen Technik eingeordnet.
  • Gemeinschaftskraftwerk Inn
    Im Zuge der Exkursion wurde das Gemeinschaftskraftwerk Inn (GKI) im Kaunertal besichtigt, wobei das Wasser über einen 22,8 km langen Triebwasserstollen aus dem Grenzgebiet zwischen Österreich und der Schweiz in die Anlage geleitet wird. Im Kraftwerk selbst erfolgte eine Führung über mehrere Ebenen, bei der die zwei Francis-Turbinen sowie die Generatoren aus nächster Nähe betrachtet werden konnten. Abschließend wurde die Hochspannungsschaltanlage gezeigt, über die die erzeugte, elektrische Energie in das überregionale Stromnetz eingespeist wird.
  • Landeskrankenhaus Hall
    Das Landeskrankenhaus Hall in Tirol stellte seine Energie- und Nachhaltigkeitsstrategie vor, wobei die Reduktion des Energieverbrauchs und der Ausbau erneuerbarer Energien im Mittelpunkt standen. Anschließend führte der Technische Leiter durch die Gebäudetechnik, einschließlich Lüftungs- und Klimaanlagen, Photovoltaik Module sowie Systeme für Fußbodenheizung und -kühlung zur effizienten Temperaturregelung des Gebäudes. Besonders auffällig war zudem das Rohrpostsystem, über das Proben, Medikamente und Nachrichten schnell innerhalb des Krankenhauses transportiert werden konnten. Zusätzlich wurde das Notstromsystem mit leistungsstarken Dieselgeneratoren für den Fall eines Stromausfalls gezeigt, dass eine unterbrechungsfreie Versorgung kritischer Bereiche sicherstellt.
  • INNIO
    Bei INNIO Jenbacher erhielten wir Einblicke in die Produktion von Gasmotoren, wobei der gesamte Fertigungsprozess von der Komponentenmontage bis zum fertigen Motor gezeigt wurde. Zudem wurde erklärt, wie gebrauchte Motoren im Rahmen von Service- und Remanufacturing-Prozessen überholt und wieder in einen technisch neuwertigeren Zustand gebracht werden. Auch die Logistik spielt eine Rolle, insbesondere der modulare Transport in standardisierten Containern mit unterschiedlichen Konfigurationen für verschiedene Anwendungen. Anschließend wurde das Power-to-X-Projekt Gelände vorgestellt, auf dem Technologien zur Sektorkopplung erprobt werden, wobei Wasserstoff mittels Elektrolyseurs erzeugt und als Energieträger in Kombination mit erneuerbaren Energiequellen genutzt wird.
  • Ovum
    Der Abschluss der Exkursion führte zu Ovum, wo zunächst die Unternehmensgeschichte, Produktgenerationen und insbesondere die neueste Wärmepumpentechnologie vorgestellt wurden. Dabei wurden Modelle der ACP-Serie, die einen SCOP(35) von über 6 erreichen können, sowie die neuste Innovation des Unternehmens vorgestellt: Die „CUBIC“ Solewärmepumpe als erste stapelbare Solewärmepumpe für die Innenaufstellung mit nur 150g Propan und bis zu 54 kW Leistung. Anschließend wurde die gesamte Produktionskette besichtigt, von der Fertigung einzelner Komponenten bis zur Endprüfung der Wärmepumpen unter realen Betriebsbedingungen. Dabei wurden auch Testbereiche gezeigt, in denen die Geräte unter kontrollierten Umgebungs- bzw. Prüfbedingungen betrieben werden, um Leistung, Effizienz und Betriebssicherheit zu validieren. Zum Abschluss erfolgte eine Führung durch die Arbeitsbereiche des Unternehmens, die einen Einblick in Organisation und Entwicklung der Systeme gab.