Prof. Heinrich Köster, Präsident der Hochschule Rosenheim, begrüßte die Zuschauer im vollen Hörsaal und nahm den Jubiläumsvortrag zum Anlass, um sich bei Prof. Aribert Nieswandt, dem Gründer der Sternwarte Rosenheim, und seinem Nachfolger, dem derzeitigen Leiter der Sternwarte, Prof. Dr. Elmar Junker, sowie seinem Team für deren Einsatz und Arbeit zu danken. Anschließend ging es direkt über in die astronomische Praxis. Prof. Dr. Lothar Oberauer vom Lehrstuhl für Experimentalphysik und Astroteilchenphysik der TU München erläuterte dem Publikum, wie den Physikern Takaaki Kajita und Arthur B. McDonald der Beweis gelang, dass Neutrinos Masse besitzen. Eine fundamentale Erkenntnis, für die die beiden Forscher 2015 den Nobelpreis für Physik erhielten.
Zunächst erklärte Prof. Oberauer einige Grundlagen der Neutrinophysik, etwa dass im Standardmodell der Teilchenphysik drei Arten von Neutrinos existieren, Elektron-, Myon- und Tau-Neutrinos und welche Eigenschaften diese besitzen. Es folgte ein Abstecher zu den Anfängen der Neutrinos: 1930 äußerte der Physiker Wolfgang Pauli als erster die Vermutung, es könnten elektrisch neutrale Teilchen in den Atomkernen existieren. Der Nachweis dieser von ihm postulierten Neutrinos gelang erst 25 Jahre später den Physikern Clyde Cowan und Fred Reines. Heute weist man in Detektoren tief unter der Erdoberfläche solare und atmosphärische Neutrinos nach und vermisst ihre Eigenschaften, unter anderem im Super-Kamiokande-Detektor in Japan. Dort gelang Kajita und McDonald der Beweis, dass Neutrinos oszillieren. Das bedeutet, dass die elektrisch neutralen Elementarteilchen während ihres Fluges periodisch ihre Zugehörigkeit zu einer bestimmten Familie von geladenen sogenannten Leptonen ändern. Dieses Ereignis ist nur erklärbar, wenn Neutrinos Masse besitzen. Diese Erkenntnis steht allerdings im Widerspruch zum Standardmodell der Teilchenphysik, in dem Neutrinos als masselos gelten.
Der Nachweis von Neutrinos sowie die Erforschung deren intrinsischer Eigenschaften ist für die Astrophysik deswegen so interessant, weil die Elementarteilchen als Botschafter des Universums fungieren. Als astronomische Neutrinoquellen gelten heute Sonne, Sterne, Supernovae sowie aktive galaktische Kerne. Mit der Messung dieser Neutrinos können Astrophysiker wichtige Erkenntnisse über das Universum gewinnen, z.B. wie die Sterne im Detail ihre Energie gewinnen oder wie die Implosion eines Riesensterns am Lebensende genau abläuft.
Im Anschluss an seinen Vortrag beantwortete Prof. Oberauer die Fragen des Publikums.
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