Den Weg in die Wissenschaft finden zunehmend mehr Absolventen von Hochschulen. In Rosenheim sind hier besonders die Fachbereiche der Ingenieurwissenschaften, wie Kunststofftechnik und Produktion, sowie der Baubereich mit Akustik und Schallschutz, Holzforschung und Logistik, Energie und Energietechnik gefragt. Da das Promotionsrecht jedoch ausschließlich bei Universitäten liegt, müssen Hochschulabsolventen ihren Doktorvater an einer Universität finden. Dieses Vorhaben kostet für gewöhnlich viel Zeit und Ausdauer und ist häufig nur aufgrund persönlicher Kontakte zwischen Hochschul- und Universitätsprofessoren erfolgreich. Ist diese Hürde gemeistert, müssen außerdem das Eignungsfeststellungsverfahren der Universität durchlaufen und eventuell bestimmte Studienleistungen nachgeholt werden. Wie Prof. Heinrich Köster, Präsident der Hochschule Rosenheim, anmerkt, wird „Absolventen der Hochschulen für angewandte Wissenschaften die Möglichkeit einer Promotion nach Abschluss des Studiums deutlich erschwert“.

Um dem entgegenzuwirken und die Zusammenarbeit zwischen Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften zu intensivieren und zu institutionalisieren, werden zunehmend kooperative Graduiertenkollegs wie das der Hochschule Rosenheim eingerichtet. Dort arbeiten unter dem Forschungsleitthema „Ressourceneffizienz in Prozessen und Gebäuden“ Professoren aus drei Fakultäten der Hochschule sowie aus verschiedenen Fakultäten der Technischen Universität München und der Technischen Universität Chemnitz zusammen, um gemeinsam Hochschulabsolventen auf dem Weg zum Doktortitel zu begleiten.

Mit den Fördergeldern finanziert die Hochschule unter anderen vier Promotionsstipendien, die im Mai dieses Jahres vergeben wurden. Zu den erfolgreichen Bewerbern gehören auch drei ehemalige Studierende der Hochschule Rosenheim: Während sich Michael Späth unter Betreuung der TU Chemnitz mit der energetischen Optimierung des Spritzgussprozesses beschäftigt, befassen sich Ferdinand Sigg und Rosina Rieder, betreut von der TU München, mit der effizienten Nutzung von Energie und Ressourcen am Bau. Die Promotion im Rahmen eines Kollegs werten sie als absolut positiv: „Die Kooperation der Institutionen erleichtert die Suche nach einem Doktorvater enorm. Das Stipendium gibt zudem die Möglichkeit, sich in Ruhe auf die Promotion zu konzentrieren. Ich bin gespannt auf die neue Aufgabe und den Austausch mit den Kollegen“, freut sich Rosina Rieder.

Die Förderung des Graduiertenkollegs läuft über drei Jahre. In diesem Zeitraum beabsichtigt die Hochschule ein Weiterbildungsprogramm für die Promovierenden aufzubauen sowie weiteren Absolventen den Weg zum Doktortitel zu ermöglichen. Das Thema Promotion soll sich so als fester Bestandteil einer wissenschaftlichen Karriere auch an Hochschulen etablieren und integrieren.


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