Physiotherapie: Umsetzung der Modellklausel

Mit dem Gesetz zur Einführung einer Modellklausel in die Berufsgesetze verschiedener therapeutischer Berufe, unter anderem der Physiotherapeuten im Jahr 2009, wurden die Voraussetzungen für eine Erprobung von Ausbildungsangeboten geschaffen, die der Weiterentwicklung der therapeutischen Berufe dienen sollen.

Der Gesetzgeber knüpft mit der akademischen Ausbildung konkrete Erwartungen an den Professionalisierungsprozess der Physiotherapie: die Qualifikationsanforderungen an die Therapie steigen ständig, die deutsche Physiotherapieausbildung bleibt im internationalen Vergleich wettbewerbsfähig, Physiotherapeuten sollen ihren Beruf bundesgrenzübergreifend ausüben können, die Ausbildung einer Profession wird vorangetrieben und Therapiewissenschaften bilden sich aus.

In Deutschland gibt es derzeit neun primärqualifizierende Studiengänge der Physiotherapie, die die Modellklausel nutzen, davon nur einen in Bayern, an der Hochschule Rosenheim. Studierende des primärqualifizierenden Studiengangs an der Hochschule Rosenheim erwerben einen Doppelabschluss: die Berufszulassung mit der staatlichen Abschlussprüfung und den akademischen Grad des Bachelor of Science. Die Ausbildung erfolgt nicht nach den für Berufsfachschulen in Bayern verplichtenden Lehrplänen, sondern nach internationalen Standards, den European Core Standards of physical practice.

Die Studierenden lernen schon in den ersten Semestern die Handlungsschritte und -kompetenzen der therapeutischen Diagnostik kennen. Sie entwickeln ein Verständnis für die Datenerhebung und Datenanalyse und sind mit der Literaturrecherche wissenschaftlicher Texte im Bereich Gesundheit vertraut. Mit Hilfe der Bezugswissenschaften der Psychologie, Pädagogik und Soziologie verstehen die Studierenden die bio-psycho-sozialen Hintergründe der Problemstellung des Patienten/Klienten und  können diese bewusst in den therapeutischen Prozess zur Diagnostik, Therapie und Beratung einsetzen. Aufgrund ihres Fachwissens sind die Studierenden in der Lage, ihr eigenes Handeln auf einer Metaebene zu reflektieren und individuelle Problemlösungsansätze zu erarbeiten.

Diese Kombination aus vertieftem Fachwissen, praktischen Fähigkeiten und kritischer Reflexionsfähigkeit stellen zentrale Ziele der physiotherapeutischen Ausbildung an der Hochschule Rosenheim dar.