Ihr Fokus lag dabei darauf, dem Publikum näherzubringen, dass Lichtkunst stets von einem ko-kreativen Prozess ausgeht, in dem das Kunstwerk immer erst durch die Wahrnehmung des Betrachters entsteht und somit kein stabiles sondern ein temporäres Werk ist. Mit über 1.100 Besuchern bei den fünf Vorträgen der Licht+ Reihe fällt die Resonanz bei den Professoren Silke Stanzel, Elmar Junker und Mathias Wambsganß äußerst positiv aus.
Nachdem in den vergangenen zwei Wochen Licht aus der Perspektive von Astronomie, Architektur, Dunkelheit, Gesundheit und Biologie betrachtet wurde, stand mit dem Abschlussvortrag der Veranstaltungsreihe Licht und seine Bedeutung in der Kunst im Mittelpunkt. Die Referentin Bettina Catler-Pelz, Kuratorin mit dem Schwerpunkt Licht in Kunst, Design und Architektur, stieg mit einem kunsthistorischen Rückblick in ihren Vortrag ein. Lichtkunst gibt es nicht erst, seit es elektrisches Licht gibt. Vielmehr sind Licht und Kunst untrennbar miteinander verbunden – als Beispiel nannte sie die Höhlenmalerei, die in ihrer Umsetzung an mobiles Licht gebunden war. Am Beispiel von Bruno Tauts „Glashaus“ auf der Werkbundausstellung 1914 in Köln erläuterte sie, wie im 20. Jahrhundert eine Verschiebung des künstlerischen Interesses vom statischen zum temporären und dynamischen Bild stattfand. Diese künstlerische Position, die damals noch wenig Anerkennung fand, ist heute eine der wichtigsten Strömungen in der Kunst. Grundfrage der Lichtkunst ist es, wie die visuelle Wahrnehmung überlistet werden kann. Grundlegend für alle Werke der Lichtkunst ist, dass das Kunstwerk erst durch die Kopplung von Bild und Blick entsteht, also ein ko-konstitutiver Prozess ist, der auf den vier Ebenen Lichtquelle, Raum, Zeit und dem Blick (des Betrachters) aufbaut. Damit wird die Varianz der Wahrnehmung des Betrachters zum ästhetischen Material.
Im Anschluss an den Vortrag ging es von der Theorie in die Praxis. Studierende der Fakultät Innenarchitektur präsentierten ihre unter der Leitung des Lichtwerkstatt-Teams gestalteten „blackBoxes“ und machten Lichtkunst für die Besucher direkt erfahrbar. Die Boxen waren Teil des LICHTCAMPUS 2015, einer großen von Bettina Catler-Pelz kuratierten Ausstellung im Frühjahr dieses Jahres an der HAW Hamburg. Die Veranstalter der interdisziplinären Reihe – die Lichtwerkstatt und die Sternwarte der Hochschule Rosenheim – luden als Abschluss zum Austausch und Empfang im Foyer.
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