Wie trifft man fundierte Finanzentscheidungen und welche Versicherungen braucht man wirklich? Diese und weitere Fragen standen im Mittelpunkt beim 12. Betriebswirtschaftstag an der TH Rosenheim. Knapp 300 Interessierte, darunter zahlreiche Schülerinnen und Schüler aus der Region, erhielten in Vorträgen wertvolle Informationen zum Thema Vermögensaufbau und -verwaltung unter dem Motto „Finanzielle Bildung als Future Skill. Geld verstehen. Zukunft gestalten.“
In ihrer Begrüßung wies Professorin Dr. Stephanie Kapitza, Vizepräsidentin der Hochschule, auf die Wichtigkeit hin, den Umgang mit Geld früh zu lernen. „Das fängt schon mit dem Taschengeld an, das man sich gut einteilen muss. So lernt man schnell, dass man sich nicht jeden Wunsch erfüllen kann und für besondere Wünsche etwas ansparen muss“, sagte Kapitza. Als Teenager gehe es dann darum, Zusammenhänge in der Finanzwelt zu verstehen, Angebote zu hinterfragen und überlegte Entscheidungen zu treffen. „Das ist nicht so einfach ohne Erfahrung. Darum ist es sehr wichtig, Fragen zu stellen und sich gut beraten zu lassen“, betonte die gelernte Bankkauffrau.
Zum Einstieg gab die Finanzexpertin Sophie Thurner einen leicht verständlichen Überblick zum Thema „Dein Geld, deine Zukunft: Warum jetzt der beste Zeitpunkt zum Investieren ist“. Sie führte anschaulich vor Augen, wie wichtig der Faktor Zeit bei Investitionen ist. „Auch mit kleineren Beträgen kann man viel erreichen, wenn man möglichst früh damit anfängt. Das Geld arbeitet dann für euch“, sagte Thurner an die Adresse des jungen Publikums. Ein wichtiger Hebel sei der Zinseszinseffekt: „Je länger das Geld angelegt ist und man nichts entnimmt, desto steiler verläuft die exponentielle Kurve. Besonders in den letzten Jahren einer langen Anlageperiode, also so ab 20 oder 30 Jahren, übersteigen die Zinserträge das ursprünglich eingezahlte Kapital oft massiv.“
„Die wichtigste Währung heißt Zeit“
In die gleiche Kerbe schlug Tobias Kerkhoff, Abteilungsleiter Beratung.direkt bei der Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling. „Die wichtigste Währung heißt Zeit“, betonte der Finanzfachmann. Der Einstieg ins Thema Investieren sei im Zeitalter der Digitalisierung sehr einfach, mit einer App habe man am Smartphone stets alles im Blick. Zugleich riet Kerkhoff den Schülerinnen und Schülern, beim Thema Konsum eine gewisse Disziplin an den Tag zu legen. „Fragt euch, was ihr wirklich braucht. Es geht nicht um radikalen Verzicht, sondern um die richtige Balance. Habt eure Zukunftsplanung fest im Blick, aber gönnt euch auch etwas. Ihr sollt eure Jugend ja genießen.“
Von ETFs bis Immobilien: Finanzwissen praxisnah vertiefen
Am Nachmittag hatten die Teilnehmenden Gelegenheit, ihr Wissen in fünf unterschiedlichen Workshops zu vertiefen und mit Fachleuten ins Gespräch zu kommen. Björn Janke und Leon Reiner von der Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling zeigten unter dem Titel „Genug von Krypto-Scams & TikTok-Gurus?“, wie man seriöse Finanzinformationen erkennt und Anlageentscheidungen fundiert trifft. Constantin von Sluyterman-Peckert und Dr. Reza Montassér von boerse.de widmeten sich der Frage, ob der MSCI World tatsächlich der „Heilige Gral der Geldanlage“ ist.
Wie Kryptowährungen sicher verwahrt und übertragen werden, erläuterte Florian Mauer im Workshop „Not your keys, not your coins“. Professor Dr. Thomas Beyerle von der Hochschule Biberach beschäftigte sich mit Immobilien als Baustein des Vermögensaufbaus und der Frage, welche Rolle künftige Erbschaften dabei spielen können. Eine „Finanz-Doppelstunde für Schüler und Studierende“ der Finanztip Stiftung vermittelte ergänzend praxisnahes Grundlagenwissen für den finanziellen Alltag.
Hochschule sieht Wissenstransfer als wichtige Aufgabe
Organisiert und moderiert wurde der 12. Betriebswirtschaftstag von Kathrin Müller, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Lehrbeauftragte an der Fakultät für Betriebswirtschaft der TH Rosenheim. Ihr war es besonders wichtig, finanzielle Bildung verständlich, lebensnah und unabhängig von finanziellen Vorkenntnissen zu vermitteln.
„Uns ist es wichtig, das Thema Finanzen bei den jungen Leuten präsent zu machen. Manche sind da selbst schon aktiv, aber viele messen dem frühzeitigen Vermögensaufbau zu wenig Bedeutung bei, weil sie womöglich Berührungsängste haben oder die Notwendigkeit nicht erkennen“, unterstreicht Professor Dr. Stephan Hornig, Dekan der Fakultät für Betriebswirtschaft. Es sei eine wichtige Aufgabe der Hochschule, praktischen Wissenstransfer in die Gesellschaft zu leisten.