Einsatzbereiche
DAS ONETUTOR KOCHBUCH
Rezepte für aktivierende Lehre mit KI
Ceyda Cay & Romy Luthardt
in Zusammenarbeit mit Prof. Felix Höpfl & Prof. Holly Ott
TH Rosenheim · OneTutor-Projekt
Kontakt bei Fragen oder Anregungen: Felix.Hoepfl@TH-Rosenheim.de
Inhaltsübersicht
LERNEN AUS DEM MENÜ
Lernen ist wie ein gut komponiertes Menü: Vorbereitung, richtige Zutaten, der passende Zeitpunkt des Servierens und Reflexion machen den Erfolg aus. Diese didaktische Menükarte zeigt, wie Vorlesungen strukturiert, aktivierend und nachhaltig gestaltet werden können.
Vorspeise – Vorbereitung der Vorlesung:
Frühzeitige Auseinandersetzung mit Lernzielen, Leitfragen und vorbereitenden Materialien bereitet die Studierenden optimal auf die Sitzung vor.
Hauptgericht – Einsatz in der Vorlesung:
Das Hauptgericht steht für aktive, interaktive Lehrphasen. Risotto und Lasagne fördern Diskussion, kritisches Denken und Praxisbezug.
Nachspeise – Prüfungs- und Transfervorbereitung:
Wie die Nachspeise rundet die Reflexion den Lernprozess ab. Tiramisu und Schokomousse sichern nachhaltige Verankerung.
Dieses Kochbuch zeigt anhand konkreter Beispiele, wie OneTutor in verschiedenen Phasen einer Lehrveranstaltung eingesetzt werden kann – von der Vorbereitung über die Arbeit in der Sitzung bis hin zur Nachbereitung.
Ziel ist es, Lehrenden praktische Ideen an die Hand zu geben, die sie direkt in ihrer eigenen Veranstaltung ausprobieren können.
OneTutor ist ein KI-basierter Tutor, der Studierende beim Lernen unterstützt und Lehrende bei der Gestaltung von Lernprozessen begleiten kann.
Das System funktioniert dialogbasiert: Studierende können Fragen stellen, sich Inhalte erklären lassen und Schritt für Schritt an Lösungen herangeführt werden.
Für Studierende bietet OneTutor:
- Fragen zu Vorlesungsinhalten klären
- Aufgaben erklären lassen
- Eigene Lösungswege überprüfen
- Feedback zu Antworten erhalten
Für Lehrende bietet OneTutor:
- Einblicke in typische Verständnisprobleme
- Gezieltes Anpassen der Lehrveranstaltung
- Entlastung durch eigenständiges Üben der Studierenden
Lernzieleffekt mit OneTutor – Vorbereitung sichtbar machen
Wann dieses Rezept sinnvoll ist: Nutzen Sie dieses Rezept, wenn Studierende Inhalte vor der Veranstaltung vorbereiten sollen und Sie wissen möchten, wie gut das gelungen ist.
Typische Einsatzsituationen:
Flipped Classroom
Vorbereitung auf eine Diskussion
Einstieg in ine neues Thema
Aktivierung
ZUTATEN
Vorbereitender Text, Video oder Podcast
3–5 Verständnisfragen
Ein OneTutor-Fragenblock
ZUBEREITUNG · Dozierende
Wählen Sie ein kurzes Vorbereitungsmaterial aus (z. B. Artikel, Video oder Kapitel).
Formulieren Sie 3–5 Fragen, die das Verständnis prüfen (zentrale Begriffe, Zusammenhänge, Anwendung).
Erstellen Sie in OneTutor ein Quiz mit geschlossenen und offenen Fragen.
Setzen Sie eine Deadline vor der Vorlesung.
Sehen Sie sich die Ergebnisse vor der Veranstlatung im Dashboard unter Quizstatistics kurz an.
⏱ ca. 10 Minuten
Was bringt das?
Überblick über den Lernstand der Gruppe. Gezielte Anpassung der Vorlesung. Weniger Zeitverlust durch ungeklärte Grundlagen
ZUBEREITUNG · Studierende
Bearbeiten Sie das bereitgestellte Material.
Beantworten Sie die Fragen im entsprechend benannten OneTutor-Quiz.
Nutzen Sie den Sokratic Tutor im OneTutor um Unklarheiten zu beseitigen.
Notieren Sie sich verbleibende offene Fragen für die nächste Vorlesung.
⏱ 5–10 Minuten
Was bringt das?
Bessere Vorbereitung auf die Vorlesung. Aktivere Teilnahme an Diskussionen
Beispiel aus der Lehre
Thema: Digitale Transformation im Gesundheitswesen
Vorbereitungsaufgabe: Lesen Sie einen kurzen Artikel über elektronische Patientenakten. Fragen: Welche drei Ziele verfolgt die elektronische Patientenakte? · Welche Risiken werden genannt? · Ein möglicher Nutzen für Patienten?
In der Vorlesung: Die Ergebnisse werden kurz gezeigt und diskutiert.
Tipp aus der Praxis: Wenn viele Antworten falsch sind, beginnen Sie mit einer kurzen Klärung. Wenn Antworten überwiegend korrekt sind, starten Sie direkt mit Anwendung oder Diskussion.
Didaktisches Prinzip: Retrieval Practice - Das aktive Abrufen von Wissen verbessert nachweislich den Lernerfolg stärker als passives Lesen.
Strukturierte Vorbereitung mit Leitfragen. Nutzen Sie dieses Rezept, wenn Studierende umfangreichere Lernmaterialien vor der Sitzung bearbeiten sollen.
Typische Einsatzsituationen:
Flipped Classroom
Vorbereitung komplexer Inhalte
Einführung neuer Modelle oder Theorien
ZUTATEN
◆ Vorbereitender Text oder Lernmaterial
◆ 5 offene strukturierende Quiz-Fragen (Quizblock 1)
◆ 1 offene Reflexionsfrage Quiz-Frage
◆ und ein Fragenblock mit Multiple Choice Quizfragen (gemeinsam mit Reflexionsfrage als Quizblock 2)
Zubereitung · Dozierende
1. Stellen Sie ein das vorgesehene Lernmaterial im OneTutor bereit.
2. Formulieren Sie fünf Fragen, die durch das Material führen.
3. Ergänzen Sie eine Reflexionsfrage, z. B.: Was war am schwierigsten zu verstehen?
4. Erstellen Sie einen OneTutor-Fragenblock.
5. Setzen Sie eine Deadline vor der Sitzung.
6. Prüfen Sie die Antworten kurz vor der Vorlesung.
⏱ ca. 10–15 Minuten
Was bringt das?
✓ Schnelle Übersicht über Verständnisprobleme
✓ Gezielter Einstieg in die Sitzung
Zubereitung · Studierende
1. Lesen oder bearbeiten Sie das Lernmaterial.
2. Beantworten Sie die Fragen im OneTutor-Quizblock 1.
3. Notieren Sie weiterhin vorhandene Verständnisprobleme.
4. Kurz vor der Vorlesung beantworten Sie den Quizblock 2.
⏱ ca. 10 Minuten
Was bringt das?
✓ Strukturierte Vorbereitung
✓ Besseres Verständnis komplexer Inhalte
Beispiel aus der Lehre
Thema: Qualitätsmanagement – PDCA-Zyklus
Vorbereitungsaufgabe: Lesen Sie einen Fachtext zur an Anwendung PDCA-Zyklus in der evidenzbasierten Medizin.
Welche vier Schritte umfasst der PDCA-Zyklus? · Welche Funktion hat die Phase Check in diesem Kontext? · Wird Act immer angewendet??
In der Sitzung: Die häufigsten Unsicherheiten werden kurz geklärt.
Didaktisches Prinzip: Guided Reading. Strukturierte Fragen fördern aktives Lesen und Verstehen.
Leitfragenbasierte Vorbereitung. Nutzen Sie dieses Rezept, wenn Studierende sich vor der Vorlesung mit einer kontroversen oder offenen Fragestellung auseinandersetzen sollen.
Typische Einsatzsituationen:
◆ Diskussionen
◆ Meinungsbildung
◆ Ethische Fragestellungen
◆ Wirtschaftliche oder gesellschaftliche Themen
ZUTATEN
◆ Eine Leitfrage
◆ Abstimmung (z. B. Multiple Choice)
◆ Kurze Begründungsfrage
Zubereitung · Dozierende
1. Formulieren Sie eine zentrale Leitfrage.
2. Erstellen Sie ein MultipleChoice Quiz als Stimmungsbild in OneTutor.
3. Ergänzen Sie eine kurze offene Begründungsfrage.
4. Setzen Sie eine Deadline vor der Sitzung.
⏱ ca. 5 Minuten
Was bringt das?
✓ Überblick über Meinungen und Argumente
✓ Aktivierender Einstieg in die Sitzung
Zubereitung · Studierende
1. Lesen Sie die Leitfrage.
2. Positionieren Sie sich in der Abstimmung (Quiz).
3. Begründen Sie Ihre Entscheidung kurz.
⏱ ca. 5 Minuten
Was bringt das?
✓ Aktive Auseinandersetzung mit dem Thema
✓ Vorbereitung auf Diskussionen
Beispiel aus der Lehre
Thema: Lean Production
Leitfrage: Führt Lean Production immer zu höherer Effizienz?
In der Sitzung: Die Ergebnisse werden gezeigt und typische Argumente diskutiert.
Didaktisches Prinzip: Aktivierung von Vorwissen und Perspektiven.
Peer Instruction in der Vorlesung. Nutzen Sie dieses Rezept, wenn Studierende sich mit anspruchsvollen Konzepten reflektiert auseinandersetzen sollen.
Typische Einsatzsituationen:
◆ Naturwissenschaftliche Modelle
◆ Soziale, aber auch technische Zusammenhänge
◆ Verständnisfragen
ZUTATEN
◆ Eine konzeptionelle Frage in Form einer Quizfrage (Multiple Choice)
◆ Eine Austauschrunde
◆ Material für den OneTutor
◆ Kurze Diskussionsphase
Zubereitung · Dozierende
1. Geben Sie einen kurzen Input (ca. 5–10 Minuten).
2. Stellen Sie eine Quizfrage in OneTutor bereit und lassen Sie Studierende individuell abstimmen.
3. Studierende diskutieren kurz mit Sitznachbarn.
4. Zweite identische Abstimmung durchführen.
5. Ergebnisse vergleichen und erklären.
⏱ ca. 5 Minuten
Was bringt das?
✓ Sofortige Rückmeldung zum Verständnis
✓ Aktive Beteiligung im Hörsaal
Zubereitung · Studierende
1. Beantworten Sie die Frage individuell.
2. Diskutieren Sie Ihre Antwort mit einem Nachbarn.
3. Stimmen Sie erneut ab.
⏱ ca. 10 Minuten
Was bringt das?
✓ Vertieftes Verständnis
✓ Lernen durch Diskussion
Beispiel aus der Lehre
Thema: Physik – Kinetische Energie. Verdoppelt sich die kinetische Energie, wenn sich die Geschwindigkeit verdoppelt?
Nach der Diskussion verschiebt sich die Abstimmung deutlich zur korrekten Antwort.
Didaktisches Prinzip: Peer Instruction (Eric Mazur)
Gruppenarbeit mit Fallbeispiel. Nutzen Sie dieses Rezept, wenn Studierende Entscheidungen in realistischen Situationen treffen sollen.
Typische Einsatzsituationen:
◆ Management /Ingenieurwesen /Medizin/ Wirtschaft
ZUTATEN
◆ Ein anspruchsvolles Fallbeispiel
◆ Entscheidungsquiz und Abschlussquiz (Mutlitple Choice Quizze)
◆ Unterstützende Fragen
◆ Gruppenarbeit
Zubereitung · Dozierende
1. Laden Sie das Material in den OneTutor.
2. Präsentieren Sie den Falls.
3. Stellen Sie eine Entscheidungsfrage in Form eines Quizzes.
4. Studierende diskutieren in Gruppen und chatten bei Streitfragen mit dem OneTutor.
5. Ergebnisse abstimmen lassen.
⏱ 15–20 Minuten
Was bringt das?
✓ Praxisnahe Diskussion
✓ Hohe Aktivierung
Zubereitung · Studierende
1. Sie werden in Teams eingetreilt.
2. Analysieren Sie den Fall.
3. Treffen Sie eine erste Entscheidung
4. Diskutieren Sie nun mögliche alternative Lösungen.
5. Nutzen Sie bei Streitfragen den OneTutor.
6. Treffen Sie eine abschließende Entscheidung im Quiz.
⏱ ca. 30 Minuten
Was bringt das?
✓ Anwendung von Wissen
✓ Förderung von Problemlösungskompetenzen
Beispiel aus der Lehre
Thema: Arzneimittelmanagement
Fall: Ein Pharmaunternehmen plant die Markteinführung eines neuen Medikaments.
Die Studierenden entscheiden über eine Zulassungsstrategie.
Themen priorisieren. Nutzen Sie dieses Rezept, wenn Sie zu Beginn einer Sitzung herausfinden wollen, welche Aspekte eines Themas die Studierenden bereits kennen, für wichtig halten – oder unterschätzen. Das Ergebnis zeigt Ihnen, wo Vorwissen und Fachlogik auseinandergehen, und gibt Ihrer Vorlesung eine evidenzbasierte Struktur.
Typische Einsatzsituationen:
◆ Einstieg in ein neues, vielschichtiges Themenfeld mit bekannten Einzelbegriffen
◆ Lehrveranstaltungen mit heterogenem Vorwissen (z. B. Mischung aus Studiengängen)
◆ Themen, bei denen die Gewichtung von Konzepten fachlich umstritten oder kontextabhängig ist
◆ Interprofessionelle Settings, wo verschiedene Berufsgruppen dieselben Begriffe unterschiedlich priorisieren
ZUTATEN
◆ 6–8 zentrale Begriffe
◆ Multiple Choice Quiz in OneTutor
Zubereitung · Dozierende
1. Sammeln Sie zentrale Begriffe.
2. Erstellen Sie ein Multiple Choice Quize mit der Abfrage der priorisierten Begriffen
3. Lassen Sie Studierende das Quiz beantworten.
4. Nutzen Sie das Ergebnis zur Struktur der Vorlesung.
⏱ ca. 5 Minuten
Was bringt das?
✓ Verständnis der Prioritäten der Studierenden
Zubereitung · Studierende
1. Lesen Sie die Begriffe.
2. Priorisieren Sie diese nach Relevanz im OneTutor Quiz.
⏱ ca. 5 Minuten
Was bringt das?
✓ Orientierung im Thema
✓ Bessere Struktur
Beispiel aus der Lehre
Thema: Führung und Organisationsentwicklung
Begriffe zur Priorisierung: Kommunikation, Vertrauen, Zielklarheit, Fehlerkultur, Ressourcen, Prozessstruktur, Motivation, Führungsstil
Aufgabe: „Welche drei dieser Faktoren sind Ihrer Meinung nach am entscheidendsten für den Erfolg eines Change-Prozesses?"
Didaktisches Prinzip: Advance Organizer / Strukturierung von Wissen
Studierende ordnen und priorisieren Inhalte aktiv, wodurch neue Informationen besser in bestehendes Wissen integriert werden.
Unterstützt besonders das Verständnis komplexer Themen durch Strukturierung
Reflexion am Vorlesungsende. Nutzen Sie dieses Rezept am Ende einer Sitzung, wenn Sie wissen möchten, welche Inhalte bei den Studierenden noch nicht „gesessen" haben – ohne dass diese sich vor der Gruppe exponieren müssen. Besonders geeignet, wenn die Sitzung dicht war oder konzeptuell anspruchsvolle Sprünge enthielt.
Typische Einsatzsituationen
◆ Abschluss einer inhaltlich komplexen Einheit
◆ Lehrveranstaltungen, in denen Studierende erfahrungsgemäß wenig nachfragen
◆ Vorbereitung des Einstiegs in die nächste Sitzung
ZUTATEN
◆ Eine offene Aufforderung im Chat: „Stellen Sie OneTutor jetzt eine Frage, die Sie sich heute nicht laut zu stellen getraut haben."
◆ 10 Minuten am Ende der Sitzung
◆ Ihre Nachbereitung: 5 Minuten Durchsicht der Chat-Verläufe vor der nächsten Sitzung
Zubereitung · Dozierende
1. Kündigen Sie gegen Ende der Sitzung die Chat-Phase an (ca. 5 Minuten vor Schluss).
2. Formulieren Sie die Aufforderung klar und einladend: Studierende sollen OneTutor genau die Frage stellen, die sie sich nicht laut getraut haben.
3. Lassen Sie die Studierenden in Ruhe tippen – kein Kommentar, keine Unterbrechung.
4. Lesen Sie die Chat-Verläufe nach der Sitzung durch. Sie sehen sowohl die Fragen der Studierenden als auch die Antworten von OneTutor aus den Kursunterlagen.
5. Identifizieren Sie wiederkehrende Themen oder Missverständnisse. Beginnen Sie die nächste Sitzung mit einem kurzen „Was viele gefragt haben"-Block – ohne Namen, ohne Bloßstellung.
⏱ ca. 5 Minuten
Was bringt das?
✓ Sie sehen ungefiltert, was die Sitzung offengelassen hat
✓ Studierende erhalten sofortiges, kursbasiertes Feedback von OneTutor – noch im Raum
✓ Die nächste Sitzung beginnt präzise dort, wo das Verständnis aufgehört hat
Zubereitung · Studierende
1. Öffnen Sie den OneTutor-Chat.
2. Stellen Sie die Frage, die Sie sich heute nicht laut gestellt haben – so konkret wie möglich.
3. Lesen Sie die Antwort von OneTutor. Wenn sie Ihre Frage nicht vollständig beantwortet: stellen Sie eine Folgefrage.
⏱ Zeitaufwand: ca. 5 Minuten
Was bringt das?
✓ Anonyme Klärung ohne sozialen Druck
✓ Sofortiges Feedback aus den Kursunterlagen
✓ Aktive Auseinandersetzung mit dem eigenen Verständnis – nicht erst zuhause
Beispiel aus der Lehre
Thema: Interprofessionelle Zusammenarbeit – Rollenklärung im Team
Am Ende der Sitzung öffnen die Studierenden den Chat. Häufig gestellte Fragen in diesem Setting: „Darf die Pflegefachperson eigenständig entscheiden oder muss sie immer rückfragen?" oder „Was passiert, wenn Rollen im Team unklar sind – wer trägt dann die Verantwortung?" OneTutor antwortet auf Basis der Kursunterlagen. In der Nachbereitung sieht die Dozentin, dass die Frage der Entscheidungsverantwortung bei fast einem Drittel der Studierenden aufgetaucht ist – und macht sie zum Einstieg der nächsten Sitzung.
Didaktisches Prinzip: Reflexives Lernen mit niedrigschwelligem Zugang (Metakognition + psychologische Sicherheit). Studierende denken über ihr eigenes Verständnis nach – aber der Chat senkt die Hemmschwelle so weit, dass auch echte Verständnislücken sichtbar werden, nicht nur die, die man sich einzugestehen bereit ist. Für Dozierende wirkt OneTutor hier als Seismograf: Die aggregierten Fragen zeigen, wo die Vorlesung noch nicht angekommen ist – präziser als jede Handabstimmung.
Probeklausur.
Nutzen Sie dieses Rezept, wenn Studierende ihren eigenen Wissensstand aktiv überprüfen sollen – nicht unter Prüfungsdruck, sondern mit dem Ziel, Lücken früh zu erkennen und gezielt zu schließen. Besonders wirksam 3–4 Wochen vor der Klausur, wenn noch Zeit zur Nacharbeit bleibt.
Typische Einsatzsituationen:
◆ Lernstandsüberprüfung in der Vorlesungsmitte oder kurz vor der Prüfungsphase
◆ Themen mit vielen Einzelkonzepten, die verwechselt oder oberflächlich verstanden werden
◆ Lehrveranstaltungen, in denen Studierende ihren Lernrückstand erfahrungsgemäß spät bemerken
ZUTATEN
◆ 8-10 prüfungsähnliche Fragen im OneTutor-Quiz (Multiple Choice und Freitext gemischt)
◆ Kursunterlagen als Grundlage für das KI-Feedback von OneTutor
◆ Eine klare Kommunikation an die Studierenden: Dies ist kein Test mit Konsequenzen, sondern ein Werkzeug zur Selbsteinschätzung
Zubereitung · Dozierende
1. Formulieren Sie 5–8 Fragen, die typische Verständnisprobleme aus vergangenen Semestern aufgreifen.
2. Mischen Sie Multiple-Choice-Fragen für Faktenwissen mit Freitextfragen für konzeptuelles Verständnis.
3. Stellen Sie sicher, dass die relevanten Kursunterlagen in OneTutor hinterlegt sind – das KI-Feedback bezieht sich direkt darauf.
4. Kommunizieren Sie klar, dass die Ergebnisse nicht bewertet werden. Das senkt die Hemmschwelle und erhöht die Ehrlichkeit der Antworten.
5. Führen Sie das Quiz nicht direkt in der Veranstaltung durch. Der Dialog mit dem OneTutor erfordert zu viel Zeit.
6. Lesen Sie nach Ablauf die Freitextantworten durch. Welche Konzepte werden häufig falsch erklärt? Welche Multiple-Choice-Fragen haben überraschend viele falsch beantwortet?
7. Greifen Sie die häufigsten Fehler in der nächsten Sitzung oder per Ankündigung im Kurs auf.
⏱ ca. 30 Minuten Vorbereitung und je nach Gruppengröße Zeit für die Nachschau.
Was bringt das?
✓ Sie sehen, welche Inhalte noch nicht sitzen – nicht erst in der Klausur
✓ Die Freitextantworten zeigen Qualität des Verständnisses, nicht nur ob richtig oder falsch
✓ Gezielte Nachsteuerung wird möglich, solange noch Zeit ist
Zubereitung · Studierende
1. Bearbeiten Sie das Quiz in OneTutor und bearbeiten Sie die Fragen ohne Hilfsmittel – so ehrlich wie möglich gegenüber sich selbst.
2. Lesen Sie das Feedback von OneTutor zu Ihren Freitextantworten sorgfältig durch.
3. Markieren Sie die Fragen, bei denen das Feedback gezeigt hat, dass Ihr Verständnis lückenhaft war.
4. Arbeiten Sie gezielt diese Stellen in den Kursunterlagen nach – nicht das gesamte Material von vorne.
⏱ Zeitaufwand: ca. 20–30 Minuten und Nachbereitung
Was bringt das?
✓ Aktives Abrufen von Wissen verbessert die Behaltensleistung nachweislich stärker als erneutes Lesen
✓ Das KI-Feedback zeigt sofort, wo das Verständnis trägt – und wo nicht
✓ Studierende wissen, was sie lernen müssen, statt zu raten
Beispiel aus der Lehre
Thema: Statistik – Inferenzstatistik (Hypothesentests)
Vier Wochen vor der Klausur werden im OneTutor-Quiz folgende Fragen gestellt: Drei Multiple-Choice-Fragen zu p-Wert, Signifikanzniveau und Fehlerarten, sowie zwei Freitextfragen: „Erklären Sie in eigenen Worten, was es bedeutet, wenn ein Ergebnis statistisch signifikant, aber praktisch irrelevant ist" und „Beschreiben Sie, unter welchen Bedingungen Sie die Nullhypothese verwerfen würden." OneTutor gibt auf beide Freitextantworten direktes Feedback aus den Kursunterlagen. In der Nachbereitung zeigt sich: Die Multiple-Choice-Fragen werden überwiegend korrekt beantwortet, aber die Freitexte offenbaren, dass der Unterschied zwischen statistischer und praktischer Signifikanz von den meisten Studierenden nicht wirklich durchdrungen wurde. Die Dozentin greift diesen Punkt in der letzten Sitzung vor der Klausur gezielt auf.
Didaktisches Prinzip: Test-Effekt (Retrieval Practice unter Prüfungsbedingungen)
Test ohne Zeitdruck, aber mit sofortigem inhaltlichem Feedback. Das aktive Abrufen von Wissen aus dem Gedächtnis ist eine der am besten belegten Lernstrategien überhaupt – unabhängig davon, ob eine Uhr läuft. Der entscheidende Mehrwert von OneTutor liegt hier im qualitativen Feedback auf Freitextantworten: Studierende erfahren nicht nur ob, sondern warum ihre Antwort unvollständig war – und zwar auf Basis der tatsächlichen Kursunterlagen, nicht einer generischen Musterlösung.
Downloadbereich
- DAS ONETUTOR KOCHBUCH 555 KB