Der Fachkräftemangel im Holzbau beginnt nicht erst auf der Baustelle oder im Betrieb – sondern bereits an den beruflichen Schulen. Bundesweit fehlen qualifizierte Lehrkräfte für Holz- und Bautechnik. Ohne ausreichend Fachlehrerinnen und Fachlehrer kann der dringend benötigte Nachwuchs für die Branche nicht ausgebildet werden.
Um diesem Engpass gezielt zu begegnen, bietet die Technische Hochschule Rosenheim seit 2020 den Studiengang Ingenieurpädagogik mit Fachrichtung Holz- und Bautechnik an. Ziel ist es, Lehrkräfte auszubilden, die sowohl über fundiertes technisches Know-how als auch über pädagogische Kompetenzen verfügen – und damit langfristig die Qualität der beruflichen Ausbildung sichern.
„Wer die Fachkräfte von morgen sichern will, muss heute in die Ausbildung der Lehrkräfte investieren. Der Studiengang schafft genau diese Verbindung zwischen Technik und Pädagogik“, sagt die Studiengangsleiterin, Prof. Dr. Sandra Bley. Dass dieser Ansatz wirkt, zeigen die ersten Absolventinnen und Absolventen: Einige haben bereits den Vorbereitungsdienst für das Lehramt an beruflichen Schulen begonnen. Eine Absolventin befindet sich seit September im Referendariat, weitere werden voraussichtlich zum Halbjahr folgen.
Der Weg zur Lehrkraft an beruflichen Schulen ist anspruchsvoll und umfasst in der Regel eine berufliche Ausbildung oder einschlägige Praxiserfahrung, ein Bachelor- und Masterstudium sowie das anschließende Referendariat. Die Absolventin des ersten Jahrgangs konnte Bachelor und Master in weniger als viereinhalb Jahren abschließen und direkt in den Vorbereitungsdienst starten.
„Rosenheim war damals für diesen Weg noch nicht etabliert, aber ich habe mich bewusst dafür entschieden – und es nicht bereut. Ich fühle mich fachlich und pädagogisch sehr gut auf das Referendariat und die Arbeit an der Berufsschule vorbereitet“, sagt Absolventin Florentine Linder.
Der junge Studiengang wird damit zu einem wichtigen Baustein gegen den Lehrkräftemangel im Holz- und Baubereich. Rosenheim steht seit Jahrzehnten für hochwertige Ausbildung im Holzbau. Mit der Ingenieurpädagogik wird gezielt der Nachwuchs an technischen Lehrkräften gesichert – und damit eine zentrale Voraussetzung für die Ausbildung zukünftiger Fachkräfte in der Branche geschaffen.