Wie können Alpenvereinshütten in hochalpinen Lagen klimafreundlich und wirtschaftlich beheizt werden? Dieser Frage widmen sich die Technische Hochschule Rosenheim und die Fachhochschule Salzburg gemeinsam mit der Sektion Traunstein des Deutschen Alpenvereins (DAV) und der Sektion Salzburg des Österreichischen Alpenvereins (ÖAV), sowie ihren beiden Dachverbänden DAV und ÖAV im grenzüberschreitenden Projekt „Heat4Alps“. Ziel ist es, die Nutzbarkeit moderner Wärmepumpen erstmals systematisch für hochgelegene Alpenvereinshütten zu untersuchen. Das bis Ende 2028 laufende Projekt wird im Rahmen des Förderprogramms Interreg Bayern–Österreich unterstützt und stärkt die Zusammenarbeit im Alpenraum.
Die Alpen zählen zu den weltweit am stärksten vom Klimawandel betroffenen Regionen. Gleichzeitig stehen Alpenvereinshütten vor besonderen Herausforderungen: extreme Witterungsbedingungen, begrenzte Transportmöglichkeiten und bislang überwiegend fossil oder biomassebasierte Heizsysteme. Steigende Durchschnittstemperaturen und technologische Fortschritte eröffnen nun neue Möglichkeiten. Wärmepumpen in Kombination mit Photovoltaik können künftig eine klimafreundliche Alternative zu Diesel- oder Holzheizungen darstellen. Dadurch lassen sich CO₂-Emissionen senken, Betriebskosten reduzieren und die aufwendige Brennstofflogistik in abgelegenen Lagen minimieren.
Zwei Hütten als Pilotstandorte
Zum Projektauftakt trafen sich die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu einer ersten Ortsbegehung auf der Traunsteiner Hütte Winklmoosalm sowie dem Carl-von-Stahl-Haus. Beide Hütten dienen als Pilotstandorte, an denen innovative Wärmepumpensysteme installiert und über zwei Jahre wissenschaftlich begleitet werden.
Hans Gfaller, 1. Vorsitzender der Sektion Traunstein des DAV, betont: „Heat4Alps – der richtige Schritt in die Klima-Neutralität unserer Traunsteiner Hütte! Wärmepumpe und Solarstrom bereiten den Weg für eine CO₂-freie Strom- und Wärmeversorgung. Wir freuen uns auf die gemeinsame Verwirklichung dieses zukunftsweisenden Projekts.“
Projektleiter Prof. Dr.-Ing. Frank Buttinger von der Fakultät für Angewandte Natur- und Geisteswissenschaften ergänzt: „Mit Heat4Alps entwickeln wir praxisnahe, skalierbare Lösungen für die klimafreundliche Wärmeversorgung von Alpenhütten. Unser Ziel ist es, durch innovative Konzepte eine wirtschaftliche, CO₂-neutrale Energieversorgung für alpine Hütten zu ermöglichen – und damit einen konkreten Beitrag zum Klimaschutz im Alpenraum zu leisten.“
Lösungen mit Modellcharakter für den Alpenraum
Im Projekt werden die Anlagen kontinuierlich überwacht, simulativ bewertet und hinsichtlich ihrer Übertragbarkeit auf weitere Hütten geprüft. Ergänzend entstehen ein praxisorientierter Handlungsleitfaden sowie ein digitales Bewertungstool, das Entscheidungsträger, Planer und technische Fachkräfte bei der Umstellung bestehender Heizsysteme unterstützt.
Ziel ist es, über die Pilotstandorte hinaus eine skalierbare Lösung für zahlreiche Alpenvereinshütten im bayerisch-österreichischen Alpenraum zu entwickeln – und damit ein Modell für nachhaltige Energieversorgung im Hochgebirge zu schaffen.