Projekte
Projekte in PARTICIPATE
Im Forschungsschwerpunkt werden Projekte zu in sich durch Altern, Krankheit und Pflegebedürftigkeit verändernden Lebenssituationen entwickelt, durchgeführt und evaluiert. Partizipation und Interprofessionalität sind grundlegend, um in diesen Situationen Entscheidungen zu treffen und die optimale Versorgungsqualität zu gewährleisten. Diese grundlegenden Prinzipien werden auch auf die Entwicklung der Projektthemen innerhalb des Forschungsschwerpunktes angewendet.
Laufende Projekte in PARTICIPATE
PAsst: Pflegende Angehörige/Zugehörige der oberbayerischen Gemeinden Flintsbach und Brannenburg gezielt stärken und unterstützen (PAsst)
PAsst – Früh unterstützen, bevor Pflege zur Belastung wird
Pflegende An- und Zugehörige leisten einen enormen Beitrag für unsere Gesellschaft. Gleichzeitig geraten viele von ihnen schleichend in eine Situation, die sie lange selbst nicht als „Pflege“ wahrnehmen – mit zunehmender Belastung für Gesundheit, Alltag und soziale Teilhabe.
Genau hier setzt PAsst an.
Unsere Forschung zeigt:
Pflegesituationen entwickeln sich oft schleichend. Viele Angehörige sehen sich selbst lange nicht als pflegend, übernehmen immer mehr Verantwortung und suchen Unterstützung erst sehr spät – häufig erst in Krisensituationen.
Das bedeutet:
Prävention muss deutlich früher ansetzen – im Alltag, bevor Überlastung entsteht.
Unser Ansatz: Angehörige erreichen Angehörige
Im Projekt PAsst entwickeln und erproben wir einen neuen Zugang zur Unterstützung pflegender Angehöriger:
Peer-gestützte Prävention im Sozialraum
Menschen, die selbst Pflegeerfahrung haben oder hatten, werden geschult, um andere Angehörige anzusprechen, zuzuhören und zum Nachdenken anzuregen.
- Gespräche auf Augenhöhe
- Austausch von Erfahrungen
- niedrigschwelliger Zugang im Alltag
So entstehen oft ganz andere Gespräche als in klassischen Beratungssituationen.
Was passiert konkret im Projekt?
- Entwicklung und Umsetzung eines Peer- und Multiplikator*innen-Ansatzes
- Schulung von Peers sowie Akteur*innen im Sozialraum
- Aufbau eines regionalen Unterstützungsnetzwerks
- Einsatz einer Unterstützungslandkarte, die Angebote sichtbar macht
- Begleitende wissenschaftliche Evaluation
Das Projekt wird gemeinsam von Wissenschaft und Praxis umgesetzt – in enger Zusammenarbeit mit regionalen Partnern.
Unser Ziel
Wir möchten erreichen, dass pflegende Angehörige:
- ihre Situation früher erkennen und reflektieren
- Unterstützungsangebote rechtzeitig nutzen
- langfristig gesund bleiben und entlastet werden
Gleichzeitig stärken wir die Zusammenarbeit im Sozialraum, damit Unterstützung dort ankommt, wo sie gebraucht wird.
Für Praxispartner
PAsst lebt von der Zusammenarbeit mit Praxispartnern.
Sie arbeiten in einer Kommune, einer Beratungsstelle oder im Gesundheits- und Pflegebereich?
Sie möchten pflegende Angehörige frühzeitig besser erreichen?
Dann freuen wir uns über den Austausch und die Zusammenarbeit.
Gemeinsam entwickeln und erproben wir Ansätze, die in der Praxis funktionieren – und langfristig übertragbar sind.
Ausblick
Die bisherigen Erfahrungen zeigen:
Der Peer-Ansatz eröffnet neue Wege, um pflegende Angehörige frühzeitig zu erreichen und Zugangsbarrieren abzubauen.
In weiteren Projektphasen soll der Ansatz ausgebaut, pilotiert und auf andere Regionen übertragen werden.
Kontaktpersonen für PAsst:
- Prof. Dr. Katharina Lüftl, Projektleitung
Tel.: 08031-805-2540, katharina.lueftl@th-rosenheim.de
- Christina Heldt (M.A.), wissenschaftliche Mitarbeiterin
Tel.: 08031-805-4556, christina.heldt@th-rosenheim.de
Die Förderung erfolgt mit Mitteln der gesetzlichen Krankenkassen im Rahmen des GKV-Bündnisses für Gesundheit in Bayern (https://www.gkv-buendnis.de/buendnisaktivitaeten/wir_in_den_laendern/wir_in_den_laendern.html).
Abgeschlossene Projekte in PARTICIPATE
Machbarkeit einer Beratungsintervention zur Förderung der Teilhabe älterer, pflegebedürftiger Erwachsener und zur Verringerung der Belastung ihrer pflegenden Zugehörigen im Übergangsprozess von zu Hause ins Pflegeheim - Projekt PARTICIPATE-NH
Das erste Modellprojekt PARTICIPATE-NH unseres Forschungsschwerpunktes fokussierte sich auf den Übergang von Zuhause ins Pflegeheim.
Hintergrund
Der Umzug von zu Hause in ein Pflegeheim ist für ältere, pflegebedürftige Menschen und ihre Zugehörigen eine große Herausforderung. Um diesen Übergang besser zu gestalten, wurde im Projekt PARTICIPATE-NH eine Beratungsintervention entwickelt und auf ihre Machbarkeit und Akzeptanz hin geprüft.
Interventionsentwicklung
Zunächst wurden durch eine Literaturrecherche und Interviews mit Betroffenen, Zugehörigen und Gesundheitsfachkräften zentrale Probleme identifiziert – etwa Unsicherheiten im Entscheidungsprozess, fehlende Unterstützung und hohe psychische Belastung. Auf dieser Basis wurde im Anschluss an einen Expert*innenworkshop ein standardisiertes Beratungskonzept erstellt. Es umfasst Gesprächsleitfäden für Mitarbeiter*innen von ambulanten Pflegediensten und Pflegeheimen sowie eine Netzwerkliste mit wichtigen regionalen und überregionalen Unterstützungsangeboten im Bereich Pflege und Seelsorge. Im März 2024 fanden hierzu Schulungen in den Einrichtungen statt.
Pilotstudie
In einer Pilotstudie wurde der Beratungsansatz in sieben Pflegeheimen und fünf ambulanten Pflegediensten getestet. Insgesamt nahmen 12 pflegebedürftige Personen und 9 Zugehörige teil. Die Ergebnisse zeigen eine hohe Praxisrelevanz, da die Intervention nicht nur eine psychosoziale Entlastung für Zugehörige schafft, sondern auch wichtige Denkanstöße zur zukünftigen Versorgung gibt. Gleichzeitig wurden Verbesserungsmöglichkeiten identifiziert, z. B. eine Präzisierung und Komprimierung der Gesprächsleitfäden. Viele Einrichtungen möchten die Ansätze dauerhaft übernehmen.
Nächste Schritte
Der nächste Schritt ist die Weiterentwicklung der Intervention für eine größere Studie, um ihre Wirksamkeit zu prüfen.
Publikationen
Die Ergebnisse der Literaturrecherche und der Interviewstudie (in englischer Sprache) können Sie kostenlos über folgende Links abrufen:
https://bmcnurs.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12912-022-01139-y
https://link.springer.com/article/10.1186/s12877-025-06586-1
Weitere Publikationen zur Interventionsentwicklung und zur Pilotstudie folgen.
Ein herzlicher Dank geht an alle Praxispartner*innen, die uns über die Jahre hinweg mit ihrer Expertise, ihrem Engagement und ihrer Offenheit unterstützt haben. Ohne ihre wertvollen Einblicke und ihre Mitarbeit wäre dieses Projekt nicht möglich gewesen!
Kontaktpersonen PARTICIPATE-NH:
- Prof. Dr. Katharina Lüftl, Projektleitung
Tel.: 08031 805-2540, Katharina.lueftl@th-rosenheim.de - Stefanie Skudlik (M.Sc.), wissenschaftliche Mitarbeiterin
Tel.: 08031 805-4522, stefanie.skudlik@th-rosenheim.de
Entwicklung einer komplexen Intervention „Interprofessionelle Diagnostik" zur gehbezogenen Teilhabe von Menschen nach einem Schlaganfall in Deutschland“ – partizipative prospektive explorative Multi-Methods-Studie PARTICIPATE MOB*
Hintergrund
Schlaganfall ist die häufigste neurologische Erkrankung in Deutschland. Nur ein Drittel derjenigen, die als "gehfähig" aus dem Krankenhaus bzw. der Rehabilitation entlassen werden, verlassen im Alltag das Haus. Eine umfassende Diagnostik ist Voraussetzung für eine zielgerichtete Therapie und Hilfsmittelversorgung zur Verbesserung der gehbezogenen Teilhabe (ID-AGT). Um die Zusammenarbeit in der ID-AGT zu verbessern, wird ein Toolkit entwickelt. Dazu wird untersucht, wie ID-AGT in der Literatur beschrieben ist, wie PnS, Zugehörige und im ambulanten Bereich Tätige diese Erleben und welche Herausforderungen und Lösungsvorschläge aus ihrer Perspektive vorhanden sind.
Methode
Die partizipative Multi-Methods-Studie umfasst mehrere Phasen: ein Integratives Review, Fokusgruppen und eine Zukunftswerkstatt.
Zu Projektbeginn wurde eine Literaturarbeit durchgeführt. Sommer/Herbst 2023 fanden fünf Fokusgruppen mit Personen nach einem Schlaganfall, Zugehörigen und Health Professionals aus allen Bereichen (Therapie, Medizin, Orthopädietechnik, Patient*innen-Organisationen) im Raum Rosenheim und München statt. Die Ergebnisse der Fokusgruppen wiesen auf eine unzulänglich vernetzte ambulante Schlaganfallnachsorge hin und gaben wichtige Anregungen für die Entwicklung des Toolkits. Im Oktober 2024 nahmen 24 Personen an einer Zukunftswerkstatt teil. Die Veranstaltung brachte eine vielfältige Gruppe von Teilnehmenden zusammen, darunter Personen nach einem Schlaganfall, Zugehörige, Kostenträger und Health Professionals. Zur Erreichung der für sie relevanten Zukunftsziele erarbeitete die Gruppe konkrete Aktionspläne.
Nächste Schritte
Der nächste Schritt ist die Weiterentwicklung des Toolkits und der Aktionspläne. Die Ergebnisse werden mit den Co-Forschenden und weiteren Stakeholdern diskutiert. Eine erste Toolkit-Version soll praktisch Tätigen zur Verfügung gestellt und (bei Bereitstellung von Fördermitteln) in weiteren Projekten evaluiert werden.
Publikationen
Studienprotokoll: https://doi.org/10.1136/bmjopen-2024-084316 .
Weitere Publikationen zu der Literaturrecherche, den Fokusgruppen und der Zukunftswerkstatt folgen.
Danke
Ein herzlicher Dank geht an alle Co-Forschenden, die uns durch ihre engagierte Beteiligung an den Fokusgruppen und der Zukunftswerkstatt geholfen haben, wichtige Erkenntnisse zu gewinnen. Danke auch an die PARTICIPATE-Praxispartner*innen für den interessierten und wertschätzenden Austausch im Rahmen der Projektvorstellungen.
Kontaktpersonen für PARTICIPATE-MOB
Prof. Dr. Petra Bauer, Projektleitung
Tel.: 08031-805-2491, petra.bauer@th-rosenheim.de
Claudia Pott (M.Sc.), wissenschaftliche Mitarbeiterin
Tel.: 08031-805-2932, claudia.pott@th-rosenheim.de
Entwicklung und Testung einer komplexen Intervention zur Prävention pflegerischer Unterversorgung in der Häuslichkeit bei älteren Personen – Prev-It (Prevention of insufficient home care of community-dwelling older adults)
Im Rahmen des Projekt Prev-It wurde die sogenannte "Sorgenetz-Beratung" als primärpräventiver Ansatz gegen häusliche Unterversorgung konzipiert und in einem ersten kleinen Feldsetting erprobt.
Auch eine Bedarfserhebung für einen sekundärpräventiv orientierten regionalen
Pflegenotdienst, der in Fällen pflegerischer Unterversorgung überbrückend tätig werden kann, wurde vorbereitet.
Hintergrund des Projekts
Aufgrund der zunehmenden Alterung unserer Gesellschaft wird der Anteil Pflegebedürftiger in den nächsten Jahren weiter ansteigen. Bereits jetzt wird der Großteil von ihnen durch Zugehörige zu Hause versorgt. Da die Pflegenden oft selbst bereits im fortgeschrittenen Alter und im Rahmen ihrer Sorgerolle großen Belastungen ausgesetzt sind, können diese z.B. durch Unfälle, Krankheit oder Überlastung abrupt wegbrechen. Die dann eintretende akute pflegerische Unterversorgung in der Häuslichkeit stellt nicht nur für die individuelle Person ein Risiko, sondern auch für die gesamte Gesellschaft eine Herausforderung dar.
Projektziele
Im Rahmen des Projekts Prev-It wurde eine komplexe Intervention zur Prävention der pflegerischen Unterversorgung in der Häuslichkeit entwickelt. Diese besteht aus Beratung, Anleitung und Schulung. Außerdem wurde eine Koordinationsstelle erprobt, die durch eine Community Health Nurse besetzt war. Diese führte Beratungen, Anleitungen und Schulungen im Sinne der Primärprävention von Unterversorgung durch. Darüber hinaus werden Grundlagen für die Bedarfserhebung eines Pflegekrisendienstes für Notfälle akuter Unterversorgung geschaffen.
Die Ziele von Prev-It sind:
1) Entwicklung des Schulungskonzepts für Pflegeberater*innen und die CHN
2) Erste Erprobung des Ansatzes in einem kleinen Feldsetting
3) Durchführung von Interviews mit Rettungsdienstmitarbeitenden zur Vorbeitung der Bedarfserhebung für einen Pflegenotdienst
Innovation
Durch die entwickelte Intervention sollen unnötige Krankenhauseinweisungen vermieden werden und sich somit Belastungen für das Individuum und Kosten für die Gesellschaft reduzieren. Das Projekt leistet damit einen Beitrag, eine Versorgungslücke im Gesundheitssystem zu schließen. Darüber hinaus kann die Intervention einen Beitrag dazu leisten, die Gesellschaft als Ganzes für das Risiko pflegerischer Unterversorgung zu sensibilisieren.
Ergebnisse
Das Projekt befindet sich derzeit noch in der Auswertung.
Kontaktpersonen für Prev-It:
- Prof. Dr. Katharina Lüftl, Projektleitung
Tel.: 08031-805-2540, katharina.lueftl@th-rosenheim.de - Christina Heldt (M.A.), wissenschaftliche Mitarbeiterin
Tel: 08031 805-4556, christina.heldt@th-rosenheim.de