Die schalltechnische Wirkung von Rollläden und anderen äußeren Abschlüssen soll künftig bei der Beurteilung von Fenster-Abschluss-Konstruktionen für den Nachtzeitraum systematisch mit einbezogen werden. Der Nachtzeitraum ist in einigen Lärmsituationen maßgeblich für die Planung des baulichen Schallschutzes. Dadurch können äußere Abschlüsse aus schalltechnischer Sicht effizienter geplant werden. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, durch weniger aufwändige Fensterkonstruktionen Kosten zu sparen, ohne Abstriche beim Schallschutz zu machen.
Beteiligt sind mehrere Forschungseinrichtungen, insbesondere das ift Rosenheim, die Technische Hochschule Rosenheim (TH Rosenheim) und die Hochschule für Technik Stuttgart (HFT Stuttgart), die jeweils unterschiedliche Aufgaben übernommen haben. Ergänzend zu den Messungen am ift Rosenheim werden an der Hochschule numerische Berechnungsmodelle auf Basis der Finiten-Elemente-Methode entwickelt, sodass nicht jede mögliche Kombination experimentell untersucht werden muss.
Zunächst wurden rund 80 vorhandene Messungen zur Schalldämmung ausgewertet. Dabei zeigte sich, dass insbesondere der Abstand zwischen Fenster und Außenabschluss sowie die Masse des Außenabschlusses (also das Gewicht von Rollladen oder Laden) einen entscheidenden Einfluss haben. Je nach Aufbau konnte die Schalldämmung um bis zu 16 Dezibel verbessert werden – eine deutlich wahrnehmbare Lärmreduktion.
Im nächsten Schritt wurden neue Versuchsvarianten festgelegt. Auf Grundlage der bisherigen Ergebnisse wurde entschieden, folgende Aspekte genauer zu untersuchen: die Geometrie von Rollladen-Führungsschienen, da sie die seitliche Dichtheit beeinflusst, sowie reale Klapp- und Schiebeläden, auch mit verschließbaren Lamellen.
Für die Messungen wurden reale Prüfkörper beschafft: ein Fenster mit drei unterschiedlichen Verglasungen von normaler bis sehr hoher Schalldämmung, sechs verschiedene Rollladenpanzer aus Holz, PVC und Aluminium mit stark variierender Masse sowie zusätzlich eine Außenmarkise (ZIP-Screen).
Ab August 2025 wurden im Schallschutzzentrum des ift Rosenheim zahlreiche Bauteilprüfungen zur Luftschalldämmung durchgeführt. Ergänzend hat die TH Rosenheim die abgestrahlte Schallleistung gemessen sowie Schwingungen und Eigenfrequenzen der Bauteile untersucht. Diese Daten sind eine wichtige Grundlage, um die späteren Rechenmodelle zuverlässig zu machen.
Parallel dazu wurden an der TH Rosenheim numerische Simulationsmodelle aufgebaut. Mit spezieller Software werden Fenster und Außenabschlüsse in einem Modell virtuell nachgebildet und mithilfe der Messergebnisse wird dieses Modell schrittweise überprüft und verbessert.
Die HFT Stuttgart hat auf Basis von 93 Messdatensätzen ein sogenanntes semiempirisches Berechnungsmodell weiterentwickelt. Ziel ist es, Ingenieurinnen und Ingenieuren künftig eine einfachere Abschätzung zu ermöglichen, wie stark ein bestimmter Rollladen oder Laden den Schallschutz verbessert. Als besonders relevante Einflussgrößen haben sich erwiesen:
- das Gewicht des Außenabschlusses,
- der Abstand zum Fenster,
- die Schalldämmung des Fensters selbst,
- sowie die Luftdichtheit des Systems.
Die Ergebnisse sind auch für die Überarbeitung der Schallschutznorm DIN 4109 von Bedeutung. Künftig sollen außenliegende Abschlüsse beim Nachweis des nächtlichen Schallschutzes besser berücksichtigt werden. Dies ist ein wichtiger Schritt hin zu mehr Ruhe in Wohnungen im Nachtzeitraum an lauten Standorten und zu einer höheren Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner.
Der erste Zwischenbericht zeigt, dass die gesetzten Ziele des Forschungsprojekts nach aktuellem Stand innerhalb der vorgesehenen Förderlaufzeit erreicht werden können.