Interview mit Busso Peus
"Der Club ist seit seiner Gründung weltoffen"
Warum gründeten Studenten 1926 den Club Holz Technikum Rosenheim?
Im Herbst 1925 befand sich das Holztechnikum in einer prekären Situation. Es gab Vorlesungsboykotte und massive Unruhen, da der Direktor Ernst Schlegel den Lehrern kein Gehalt mehr zahlen konnte. Daraufhin schlossen sich Studierende und Dozenten im Protest zusammen. Acht bis zehn der protestierenden Studenten gründeten am 23. November 1926 den „Club Holz Technikum Rosenheim“, der die neue Hochschulleitung bei einem geordneten Lehrbetrieb unterstützen wollte. Zu den weiteren Zielen des Clubs gehörte die Persönlichkeitsbildung jedes einzelnen Clubianers, die Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung, die Pflege der Kameradschaft sowie Hilfsbereitschaft untereinander. Ferner pflegten die Clubianer die Geselligkeit, unterstützten sich gegenseitig und versprachen sich Freundschaften über das Studium hinaus. Kurz nach seiner Gründung zählte der Club bereits 22 Mitglieder.
Seit Gründung steht der Club auch Studentinnen offen. Wie wurde dies im Laufe der letzten 100 Jahre angenommen?
Als der Club entstand, gab es noch keine Studentinnen. Dies änderte sich mit der Zeit, so dass der Club 1968 die erste Studentin in seinen Reihen begrüßen konnte. Seitdem gehören sie fest dazu und tragen seitdem dazu bei, den Club weiterzuentwickeln. Studentinnen sind heute ein fester Bestandteil und absolut gleichwertig. . Bei uns sind alle Religion, jede Hautfarbe und queere Menschen herzlich willkommen. Krieg, Gewalt gegen andere Menschen und Diskriminierung haben keinen Platz.
An welches besondere Ereignis der Clubgeschichte erinnert man sich?
1927 hat ein Clubianer – Walter Leineweber – die erste Rosenheimer Eishockeymannschaft gegründet. Er war damals Präsident des Clubs und studierte am Holztechnikum. Die Rosenheimer Mannschaft bestand aus 10 Clubmitgliedern, die von außerhalb kamen, und einem Rosenheimer. Das erste Eishockeyspiel fand 1928 auf der Spritzeisbahn am Tennisplatz an der Wittelsbacherstraße statt. Aus diesem Verein entstand später der Rosenheimer Sportbund. Walter Leineweber nahm 1932 mit der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft an den olympischen Winterspielen in den USA teil.
Welche Rolle spielte der Club bei der Organisation der Rosenheimer Kolloquien?
In den Jahren 1961 bis 1977 organisierte der Club in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule die „Rosenheimer Kolloquien“. Diese dienten dem Ziel, sich weiterzubilden, über das Zusammenspiel von Theorie und Praxis aber auch über anstehende Zukunftsthemen zu diskutieren. An den erfolgreichen Gesprächen wirkten nicht nur „Holzler“ mit, sondern die Studentinnen und Studenten aller Fachrichtungen der Hochschule. Die Kolloquien waren eine Vorstufe der später organisierten Holztechnischen Tage.
Was zeichnet den Club im Vergleich zu einer Studentenverbindung aus?
Es gibt keine Rituale und Zeremonien, wie wir es von den Studentenverbindungen kennen. Das gesamte Reglement ist freier und offener. Für uns sind Freundschaften, akademische Unterstützung, Geselligkeit, moralische Werte und Ideale, Engagement und Alumni-Netzwerk wichtig.
2026 feiert der Club sein 100-jährigen Bestehen. Wie wird das gefeiert?
Im Rahmen unserer jährlichen Hauptversammlung werden wir diesen großen Geburtstag in einem festlichen Rahmen begehen und gemeinsam mit Freunden und Gönnern, mit Vertretern der Schulen, der Stadt und befreundeten Studentenverbindungen feiern. Derzeit ist ein spannender Film über den Club in Arbeit, der höchst interessante Einblick gewährt. Außerdem arbeiten wir gerade an einer 100-jährigen Chronik des Clubs, die vergessene Geschichten erzählen wird. Es gibt einen Überblick über viele Feste und unvergessene Erlebnisse gespickt mit einer Menge Fotos und originalen Dokumenten. Dazu können wir jetzt schon sagen: Überraschungen garantiert!
Welche Ziele verfolgt der Verein heute?
Wir wollen Studierenden vom ersten Semester an helfen, sich an der TH zurechtzufinden. Wir unterstützen bei allen Fragen rund um die Vorlesungen, Praktika, Berichten und Auswertungen bis hin zu den Diplomarbeiten. Danach unterstützen wir beim Einstieg ins Berufsleben durch viele Verbindungen in Industrie und Wissenschaft. Auch wenn ein Berufswechsel ansteht, können Mitglieder des CHTR auf das große Netzwerk zurückgreifen. Gemeinsame Aktivitäten beziehen sich nicht nur auf Studium und Beruf. Auch in der Freizeit gibt es viele Unternehmungen aus denen lebenslange Freundschaften entstanden sind. Wir haben dazu beispielsweise eine traumhaft gelegene Hütte im Alpbachtal (Österreich), die zum Wandern, Skifahren oder zum Relaxen einlädt.
Wie wollen Sie neue Mitglieder gewinnen?
2021 haben wir eine große Umstrukturierung vorgenommen. Wir haben der „Aktivitas“ – also den Studierenden im Club – ein neues Image verpasst: den „CCR – Club Campus Rosenheim“. Der CCR gibt Antworten auf die veränderten Bedingungen und Anforderungen, denen sich Studentinnen und Studenten von heute zu stellen haben. Er ist die Anlaufstelle für alle Studierenden in Rosenheim, auch die der Techniker Schule. Hier ist jede und jeder, der in Rosenheim studiert, herzlich willkommen.