Gründerinnen und Gründer berichten

Was es heißt, sich selbstständig zu machen

Stephan Oberdieck

"Vor und während meiner Gründungsphase hätte ich mir eine Beratung gewünscht, die auf die individuellen Herausforderungen von Start-ups zugeschnitten ist. Oft sind Standardangebote zu allgemein gehalten und gehen nicht auf die speziellen Bedürfnisse junger Unternehmen ein, wie zum Beispiel den Aufbau von Strukturen, Finanzierungsstrategien oder den Umgang mit bürokratischen Anforderungen. Zudem hätte ich es als wertvoll empfunden, von erfahrenen Unternehmerinnen und Unternehmern begleitet zu werden, die selbst den Weg gegangen sind und konkrete Praxistipps geben können. Eine solche persönliche, praxisorientierte Begleitung hätte mir damals geholfen, schneller Entscheidungen zu treffen und teure Fehler zu vermeiden."

Benedict Schwind

"Die Gründungsberatung hat uns von Anfang an begleitet und ist bis heute eine große Hilfe. Das Team unterstützt uns bei der Verbesserung unseres Businessplans oder der Vorbereitung auf Finanzierungsrunden. Außerdem erhielten wir Hilfe bei rechtlichen und steuerrechtlichen Fragen und wertvolle Infos zu Förderprogrammen wie „EXIST“ und „Flügge“. Wir bekamen sogenannte „Innovationsgutscheine“ und wurden mit dem Gründernetzwerk verbunden, das uns half, unser Unternehmen „MoxyByte“ voranzutreiben. Auch die Hochschule stand uns von der Idee bis zum Prototyp zur Seite. Besonders schätzten wir, dass sich die Beraterinnen und Berater viel Zeit nahmen, immer freundlich und hilfsbereit waren und uns auch in schwierigen Situationen unterstützten. Ihr Engagement, unser Start-up voranzubringen, war enorm – bis hin zu Besuchen im Stellwerk, um sich persönlich ein Bild zu machen."

Johann Eham und Fabian Reuß

Das Gründungsstipendium bietet uns als Gründerteam die einzigartige Chance, uns ganz auf die Entwicklung unserer innovativen Geschäftsidee „GreenCertAI“ zu konzentrieren. Dank der finanziellen Förderung können wir uns auf die technische und konzeptionelle Weiterentwicklung unserer Dienstleistung für die KI-basierte Nachhaltigkeitszertifizierung von Gebäuden fokussieren, ohne den Druck, nebenbei finanzielle Mittel sichern zu müssen. „GreenCertAI“ ist eine KI-gestützte Plattform, die den bislang analogen und komplexen Prozess der Nachhaltigkeitszertifizierung im Bauwesen automatisiert und digitalisiert. Kern ist eine Online-Plattform mit einem Angebot an spezialisierten Tools, um Auditoren bei der Bearbeitung der vielfältigen Kriterien von Zertifizierungssystemen zu unterstützen, wie durch eine automatische Nachweis- und Berichterstellung auf Knopfdruck.

Zusätzlich profitieren wir enorm von den Beratungs- und Netzwerkangeboten, die mit dem Stipendium einhergehen. Der Austausch mit erfahrenen Mentoren, Experten und anderen Start-ups eröffnet uns nicht nur neue Perspektiven, sondern hilft uns auch, Herausforderungen schneller zu bewältigen. Die Unterstützung des ROCkET-Gründungszentrums der TH Rosenheim hat uns geholfen, unsere Geschäftsidee zu schärfen, unser Geschäftsmodell zu optimieren und uns auf die nächsten Schritte, wie die Marktvalidierung und die Skalierung, vorzubereiten. Dieses Gesamtpaket aus finanzieller, fachlicher und strategischer Unterstützung ist für uns essenziell, um unsere Idee erfolgreich umzusetzen und mit „GreenCertAI“ einen positiven Beitrag zur Digitalisierung und Nachhaltigkeit im Bauwesen zu leisten."

Florian Aigner, Felix Schelling und Julia Paternoster

"Unsere Gründungsgeschichte ist untrennbar mit den vielfältigen Unterstützungsangeboten der Technischen Hochschule Rosenheim verbunden. Der Weg von der ersten Idee bis hin zur Unternehmensgründung war für uns ein aufregendes Abenteuer – eines, das ohne die TH Rosenheim und die Gründungsstipendien kaum möglich gewesen wäre.

Die Grundlage unserer Gründung wurde von Florian Aigner während des Masterstudiums Angewandte Forschung und Entwicklung in den Ingenieurwissenschaften gelegt. Florian widmete sich in seiner Forschungsarbeit der Entwicklung und Optimierung von Pfadgenerierungssoftware für die additive Fertigung (FLM-Verfahren) keramischer Bauteile. Dabei zeigte sich, dass die Qualität der Bauteile entscheidend von der Software abhängt, die den Druckprozess steuert. Diese Erkenntnis war nicht nur der Ausgangspunkt seiner Masterarbeit, sondern auch die Keimzelle unserer Geschäftsidee: Die Entwicklung einer intelligenten Software, die 3D-Druckprozesse optimiert und damit eine präzisere, effizientere und nachhaltigere Fertigung ermöglicht.

Nach Abschluss seines Masterstudiums setzte Florian Aigner seine Forschung als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TH Rosenheim fort. Hierbei entstand ein erster Projektantrag, gefördert durch das „Zentrum für Forschung, Entwicklung und Transfer“, der es ermöglichte, unsere Idee bis zur Antragsreife für das „EXIST-Gründungsstipendium“ weiterzuentwickeln. Mit der Zusage des Stipendiums wurde das Team gezielt erweitert: Julia Paternoster, die „Innenarchitektur“ an der TH Rosenheim (2018-2022) studierte, bereicherte das Team mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung im Bereich Kommunikation und Marketing. Im Praxissemester sammelte sie wertvolle Berufserfahrung beim „Zentrum für Forschung und Entwicklung“ der TH Rosenheim im Projekt „Solar Decathlon levelup“. Felix Schelling, der an der TH Rosenheim „Maschinenbau“ (2015-2020) studierte, brachte sein technisches Know-how und seine Erfahrung in der Entwicklung von Optimierungsalgorithmen ein. Bereits während des Studiums hatte Felix in Projekten zur Prozessoptimierung und Simulation gearbeitet, wodurch er maßgeblich zur Weiterentwicklung der Software beitragen konnte. Die Unterstützung durch die TH Rosenheim hat uns nicht nur als Gründerteam zusammengebracht, sondern uns auch geholfen, unsere Vision in die Realität umzusetzen.

Mit dem EXIST-Gründungsstipendium begann für uns eine entscheidende Phase. Wir konnten uns vollkommen auf die Weiterentwicklung unserer Software konzentrieren, erste Kontakte zur Industrie knüpfen und unser Netzwerk erweitern. Das Gründungszentrum ermöglichte es uns, an der Fachmesse „Formnext“ in Frankfurt teilzunehmen. Dort konnten wir unsere Projektidee führenden Unternehmen vorstellen und bekamen durch die zahlreichen Gespräche wertvolles Marktfeedback. Einige branchenführende Unternehmen signalisierten erstens Interesse an unserer Lösung und ebneten den Weg für erste Partnerschaften.

Doch unsere Reise war damit noch lange nicht beendet. Nach Ablauf des EXIST-Gründungsstipendiums erhielten wir dank der erneuten Unterstützung der TH Rosenheim das Förderprogramm „FLÜGGE“. Mit dieser weiteren Finanzierung konnten wir den Prototyp unserer Software marktreif machen und uns auf den Markteinstieg vorbereiten. Das FLÜGGE-Programm half uns nicht nur bei der technischen Optimierung, sondern gab uns auch die notwendige finanzielle Sicherheit, um strategische Entscheidungen für den Markteinstieg zu treffen. Außerdem wurde uns während des Förderprogramms durch „Bayern Innovativ“ ermöglicht, „Advanced Additive“ auf deren Gemeinschaftsstand auf der „Formnext 2024“ zu präsentieren und unsere Software vorzustellen.  Besonders hervorzuheben ist die kontinuierliche Begleitung durch die TH Rosenheim und dem „Gründungszentrum ROCkET“: Von technischer Expertise über den Zugang zu Netzwerken bis hin zur Gründungsberatung – die Hochschule stand uns in jeder Phase zur Seite.

Heute stehen wir erneut am Anfang eines neuen Kapitels – Markteinstieg und Wachstum. Dank der TH Rosenheim konnten wir nicht nur unsere Software zur Optimierung von 3D-Druckprozessen entwickeln, sondern auch die Grundlage für ein nachhaltiges und erfolgreiches Unternehmen schaffen. Die Gründungsstipendien waren dabei weit mehr als nur eine finanzielle Unterstützung. Sie haben uns ermöglicht, uns vollkommen auf unsere Idee zu konzentrieren, Risiken einzugehen und uns als Start-Up zu etablieren.

Für uns ist die TH Rosenheim nicht nur der Ort, unserer Ausbildung und an dem unsere Idee entstand, sondern auch ein verlässlicher Partner, der uns auf jedem Schritt unseres Weges begleitet hat. Wir sind stolz darauf, Teil dieser Hochschule zu sein und freuen uns darauf, unsere Verbindung zur TH Rosenheim auch in Zukunft weiter zu pflegen."

Mona Semmlin

"Das ROCkETempowers-Programm hat mir geholfen, meine Stärken bewusster zu erkennen, meine Werte als Gestalterin und Entwicklerin zu definieren und neue Impulse zu gewinnen. Besonders wertvoll waren die praxisnahen Workshops, der interdisziplinäre Austausch mit anderen Gründungsinteressierten sowie die Expertise der Hochschulmitarbeiterinnen und Hochschulmitarbeiter. Durch die enge Verbindung zur Hochschule hatte ich Zugriff auf wertvolle Ressourcen und wurde individuell beraten und in meinen nächsten Schritten begleitet. Gleichzeitig ist das Programm eine wichtige Initiative, um Frauen in der Gründungslandschaft sichtbarer zu machen und ihnen gezielt Unterstützung zu bieten.

Während meines Masterstudiums Innenarchitektur und Möbeldesign mit Schwerpunkt auf Produktentwicklung an der TH Rosenheim entwickelte ich im Fach „Rapid Prototyping“ eine Idee für einen modularen Schuh. Mein Ziel war es, eine flexible, nachhaltige und individuell anpassbare Lösung für orthopädische Indikationen zu schaffen. Damit habe ich mich für das „Women-EXIST- Stipendium“ beworben und konnte meine Idee weiterentwickeln. Parallel zu meinem Bachelorstudium in Stuttgart absolvierte ich eine Ausbildung zur Orthopädieschuhmacherin. Dabei wurde mir bewusst, wie komplex und zeitaufwendig herkömmliche Anpassungen von orthopädischen Schuhen sind. Ich wollte eine Lösung entwickeln, die sowohl für Fachbetriebe als auch für Endkunden praktikabler ist und moderne Fertigungstechnologien nutzt.

Dank der Prototypenpauschale konnte ich mehrere Muster Prototypen fertigen und in der additiven Fertigung der Hochschule drucken lassen. Besonders hilfreich war ein eigener Arbeitsplatz, der die Zusammenarbeit mit den Laboren erleichterte. Die Förderung ermöglichte mir, mich für drei Monate voll auf das Projekt zu konzentrieren. Durch die umfassende Unterstützung von „ROCkETempowers“ konnte ich meine Produktidee weiterentwickeln, strategische Überlegungen für eine mögliche Umsetzung vertiefen und wertvolle Kontakte knüpfen. Besonders geschätzt habe ich die kontinuierliche Beratung und die Möglichkeit, jederzeit auf die Expertise des Programms zurückgreifen zu können."

Vitus Zenz

"Wenn ich meinen bisherigen beruflichen Weg Revue passieren lasse – von der handwerklichen Ausbildung, über das nachgeholte Abitur bis hin zur Forschung im Bereich Biokunststoffe –, ist mir immer bewusster geworden, welch entscheidenden Einfluss die TH Rosenheim auf meine fachliche und persönliche Weiterentwicklung hatte. Als ich mich nach dem Abitur für den Bachelorstudiengang „Nachhaltige Polymertechnik“ an der TH entschieden habe, war mir bereits bewusst, dass Kunststofftechnik ein spannendes Feld ist. Doch dass ich hier einen solch umfassenden Einblick in die Forschung und Entwicklung bekommen würde, hat mich positiv überrascht. Bereits in den ersten Semestern wurde auf eine praxisnahe und interdisziplinäre Lehre gesetzt, sodass ich ein tiefes Verständnis für die komplexen Zusammenhänge der Kunststofftechnologie entwickeln konnte.

Besonders dankbar bin ich für die Unterstützung, die ich von meinen Professorinnen und Professoren erfahren habe. Schon in meiner Bachelorarbeit haben mir Prof. Dr.-Ing. Nicole Strübbe und Prof. Dr. Dirk Muscat großen Rückhalt gegeben und mich unterstützt. Sie waren offen für meine Ideen, haben mich in meinem Forschungsdrang bestärkt und gleichzeitig wertvolle Hinweise gegeben, wie ich Theorie und Praxis erfolgreich miteinander verbinden kann. Dies hat es mir ermöglicht, gezielt auf meinen Master hinzuarbeiten und letztlich den Mut zu fassen, eine Promotion zu beginnen. Hierbei hat mir die TH Rosenheim nicht nur inhaltlich, sondern auch ganz praktisch unter die Arme gegriffen: Die Labore, die wir nutzen dürfen, sind sehr gut ausgestattet und bieten mir optimale Voraussetzungen, an meinem Projekt zu forschen. Ziel dieses Forschungsprojektes ist die Entwicklung eines neuen kontinuierlichen Verfahrens zur Gewinnung von Bernsteinsäure aus Holzabfällen. Konkret haben wir einen neuartigen Doppelschnecken-Extruder entwickelt, in welchem Mikrowellenstrahlung integriert wurde. Damit wollen wir Holzreste wie Sägespäne in einem kontinuierlichen Prozess chemisch aufschließen, um Bernsteinsäure und andere Plattformchemikalien zu gewinnen. Bernsteinsäure wiederum ist ein Vorläufer für den Biokunststoff Polybutylensuccinat (PBS), welcher biologisch abbaubar und hinsichtlich seiner Eigenschaften mit herkömmlichen Kunststoffen vergleichbar ist. Dieses neuartige Verfahren besitzt das Potenzial, nachhaltige Alternativen zu erdölbasierten Kunststoffen in wirtschaftlicher Hinsicht deutlich attraktiver zu machen.

Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Faktor ist das ausgeprägte Gründungs- und Innovationsklima an der TH Rosenheim. Insbesondere der Austausch und die Unterstützung durch das „ROCkET-Gründungszentrum“ haben mir gezeigt, wie viel Potenzial in wissenschaftlichen Ideen steckt, wenn man sie konsequent weiterverfolgt und zugleich eine unternehmerische Denkweise einbringt. Dadurch war es mir möglich, gemeinsam mit meinen Teamkollegen unsere Geschäftsidee zu konkretisieren und Kontakte zu knüpfen, die uns künftig bei der Ausgründung und im „EXIST-Forschungstransfer“ unterstützen werden. Für mich war das eine sehr wertvolle Erfahrung, da ich gelernt habe, Forschungsergebnisse nicht nur zu publizieren, sondern sie auch in einem wirtschaftlichen und marktorientierten Umfeld sinnvoll einsetzen zu können.

All diese Bausteine – von der fundierten Lehre über die begleitende Forschungsbetreuung bis hin zur Förderung von Gründungsideen – machen die TH Rosenheim zu einem Ort, an dem ich mich bestmöglich entfalten und weiterentwickeln konnte. Es ist ein Umfeld, in dem sowohl klassische Theorie als auch unkonventionelle Herangehensweisen geschätzt werden und in dem man stets das Gefühl hat, von den richtigen Leuten umgeben zu sein. Ich bin davon überzeugt, dass sich auf diese Weise neue Wege eröffnen, um Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit in der Kunststoffindustrie besser zu vereinen. Dass ich gemeinsam mit der TH Rosenheim an genau diesen Lösungen arbeite, stimmt mich zuversichtlich, einen kleinen Beitrag leisten zu können, um die Branche langfristig in eine umweltverträglichere Richtung zu führen. Dafür bin ich der TH Rosenheim sehr dankbar und freue mich darauf, auch die nächsten Schritte gemeinsam zu gehen."

Robin Ungerath

"Am Anfang war da nur eine Idee – ein Hirngespinst, sonst nichts. Doch was macht man dann? Man braucht Menschen, mit denen man sprechen kann, die einen bestärken. Sonst bleibt es oft nur eine Idee, die schnell wieder in Vergessenheit gerät. Die Gründungsphase ist voller Herausforderungen. Ohne Unterstützung – sei es durch praktische Hilfe, wertvolle Ratschläge oder einfach positive Energie – schafft man es kaum. Einer meiner ersten Ansprechpartner war ein Professor der TH Rosenheim, der mich an die Gründungsberatung verwies. Dort habe ich mich regelmäßig mit Robert und den beiden Julias ausgetauscht. Ich erhielt wertvolle Tipps, knüpfte Kontakte, baute ein Netzwerk auf und hatte Zugang zu Ressourcen wie 3D-Druckern. Die schnelle Kommunikation und die Spontanität des Teams haben mir enorm geholfen.

Doch was mir am meisten gebracht hat, war die Bestärkung, die ich von Anfang an erfahren habe. Eine Idee in ein funktionierendes Geschäftsmodell zu verwandeln und es tatsächlich umzusetzen, ist ein langer Weg. Zu wissen, dass das, was man vorhat, wirklich funktionieren kann – und dabei jede mögliche Unterstützung zu bekommen –, gibt die Bestätigung und Motivation, weiterzumachen. Genau daran scheitern viele Start-up-Träume. Wir haben es geschafft. Dieses Jahr feiern wir unser zweijähriges Bestehen. Ohne die Unterstützung, die ich in der Gründungsphase erhalten habe, wären wir nicht da, wo wir heute stehen. Dafür bin ich sehr dankbar.“