1. Semester: Form Follows Feeling
Wie entstehen Räume aus Bildern? Und wie entwickelt sich aus einer abstrakten, zweidimensionalen Komposition ein innenarchitektonischer Entwurf? Mit diesen Fragen setzt sich die Entwurfsübung Form Follows Feeling auseinander. Ziel ist es, die räumliche Wahrnehmung der Studierenden zu schärfen und den Entwurfsprozess als kreative Transformation zwischen Kunst und Innenarchitektur erfahrbar zu machen.
Ausgangspunkt ist eine frei gewählte zweidimensionale Arbeit – eine Malerei, Grafik, Zeichnung oder auch digitale Komposition –, die sowohl intuitiv als auch hinsichtlich ihres räumlichen Potenzials ausgewählt wird. In einer detaillierten Bildanalyse werden Farbflächen, Konturen und Komposition untersucht, räumliche Beziehungen interpretiert und zeichnerisch analysiert. Die gewonnenen Erkenntnisse werden anschließend in ein plastisches Relief übertragen.
Im nächsten Schritt löst sich das Relief aus der Ebene und entwickelt sich zu einem frei im Raum schwebenden dreidimensionalen Objekt. Losgelöst von funktionalen oder konstruktiven Vorgaben untersuchen die Studierenden dessen räumliche Qualitäten aus allen Perspektiven – als Gebilde im Raum, noch ohne Bezug zur Schwerkraft oder zur späteren Nutzung.
Erst im weiteren Entwurfsprozess treten Maßstab, Proportion und der menschliche Körper als Bezugssysteme hinzu. Durch die Auseinandersetzung mit Bewegung, Erschließung und Nutzung entwickelt sich das abstrakte Objekt zu einem innenarchitektonischen Raumkonzept. Die Bewegung des Menschen wird dabei zum gestaltgebenden Element: Es entsteht eine räumliche Choreografie, in der sich unterschiedliche Raumsequenzen zu einem spannungsvollen Raum-Zeit-Erlebnis verbinden können, aber auch ergonomische Aspekte eine wesentliche Rolle spielen.
Den Abschluss bildet die Verortung des Entwurfs. Für jedes Projekt wird ein geeigneter Ort gesucht, dessen räumliche, kulturelle und gesellschaftliche Rahmenbedingungen – der genius loci, der Geist des Ortes – in die weitere Entwicklung einfließen. Mit Hilfe von Collagen und Fotomontagen, zunehmend auch mit KI-Unterstützung, werden die Entwürfe in ihren jeweiligen Kontext eingebettet und sowohl aus innen- als auch außenräumlicher Perspektive überprüft.
Und so schließt sich der Kreis: Aus einem zweidimensionalen Bild entsteht ein räumliches Konzept, das schließlich wieder in einer zweidimensionalen Darstellung seinen Ausdruck findet. Die Übung macht erfahrbar, wie aus Wahrnehmung, Interpretation und Transformation innenarchitektonische Ideen entstehen.
Betreuung
Prof. Denise Dih, Lehrbeauftragter Bernd Meinschmidt, Prof. Benjamin Albrecht, Prof. Leonhard Clemens