Von zwei Stunden auf zehn Minuten: Wie KI die Redaktion des OVB verändert
„ChatGPT eröffnete eine neue Welt in unserem Bereich“ – so beschrieb Florian Schiller, Geschäftsführer von OVB Media, den Startpunkt der KI-Reise des Medienhauses. Beim dritten Round-Table-Gespräch der Veranstaltungsreihe „KI in der Praxis“, die der Seeoner Kreis gemeinsam mit der TH Rosenheim initiiert hat, zeigte das Rosenheimer Medienhaus am 22. September 2026 rund 50 Gästen aus Unternehmen der Region und der TH Rosenheim, wohin diese Reise inzwischen geführt hat. Die neuen Räumlichkeiten von OVB Media mit dem Work Café boten dafür den idealen Rahmen für Austausch und Networking.
Begrüßt wurden die Teilnehmenden von Gerald Rhein, dem Vorsitzenden des Seeoner Kreises. Den inhaltlichen Auftakt setzte Prof. Dr. Gerd Beneken von der Fakultät für Informatik der TH Rosenheim mit seinem Impuls „Software-Engineering und KI“. Er ging der Frage nach, wie Unternehmen ihre eigene Softwareentwicklung mit KI optimieren können, und zeigte anschaulich, dass das reine Erzeugen von Code nicht den Kern trifft: Softwareentwicklung berührt viele Domänen und erfordert neue Kompetenzen – der Einsatz von KI ist deshalb vor allem eine Frage des Prozesses. Ebenso wichtig seien Datensicherheit und der Faktor Mensch: Wer einen persönlichen Bezug zu seiner Arbeit behält, identifiziert sich stärker mit ihr und ist zufriedener.
Unter dem Titel „Die KI-Reise des OVB“ gab Florian Schiller anschließend Einblick, wie generative KI im Medienhaus Fuß gefasst hat. Herzstück ist heute der „Wortwandler“, ein eigenes KI-Werkzeug für die Redaktion, das generative KI ausdrücklich als persönlichen Assistenten und nicht als Konkurrenz einführt: einfach zu bedienen, für alle Mitarbeitenden nutzbar und mit hinterlegten Prompt-Varianten. Der Effekt ist beachtlich: Das Redigieren eines Textes dauert statt rund zwei Stunden nur noch etwa zehn Minuten. Dabei betonte Schiller immer wieder, dass der Mensch fest in den Prozess eingebunden bleibt.
Bemerkenswert ist, was danach geschah: Aus dem internen Werkzeug ist ein eigenes Produkt geworden, das inzwischen auch andere Verlage einsetzen. KI steigert bei OVB also nicht nur die Effizienz im eigenen Haus, sondern wird selbst zum Angebot. Auch in der Vermarktung setzt das Medienhaus zunehmend auf KI-gestützte Lösungen.
Im Zusammenspiel der beiden Vorträge wurde deutlich, dass Hochschule und Praxis aus unterschiedlichen Richtungen zum selben Ergebnis kommen: Der Mehrwert generativer KI entsteht dort, wo sie gezielt in Prozesse eingebettet wird und die Menschen mitnimmt – als Assistent, der Freiraum schafft, nicht als Ersatz. Dass die KI-Reise des OVB damit noch lange nicht zu Ende ist, machte der abschließende Ausblick deutlich.
Save the Dates
Februar 2027
Die nächste Veranstaltung innerhalb der Reihe „KI in der Praxis“ findet im Februar 2027 bei Kiefel GmbH in Freilassing statt.
23. Oktober 2026
Am 23.10.2026 lädt die Technische Hochschule Unternehmen und Gemeinden aus Bayern und Tirol ein, sich ebenfalls zu den Themen KI und Digitale Souveränität auszutauschen und Beispiele aus der Praxis kennen zu lernen.