Menü
.

Wie Kunststoff den Kampf gegen das Corona-Virus prägt

Beatmungsgeräte, die mit Kunststoff hergestellt werden, sind in der Corona-Pandemie unverzichtbar.

Die Corona-Pandemie führt die enorme Bedeutung des Werkstoffs Kunststoff anschaulich vor Augen. An der TH Rosenheim werden die Kunststoff-Experten für Unternehmen aus der Medizintechnik und vielen weiteren wichtigen Branchen ausgebildet.

„Die Corona-Krise zeigt deutlich, wie wichtig Kunststoff im täglichen Leben ist. Man mag sich gar nicht ausmalen, wie die Pandemie verlaufen würde, wenn wir ohne diesen Werkstoff auskommen müssten“, sagt Prof. Dipl.-Ing. Peter Karlinger, der Leiter des Studiengangs Kunststofftechnik. Man muss sich dabei nicht einmal auf die Medizintechnik beschränken. Auch die technische Ausstattung im Homeoffice, das für viele Arbeitnehmer zum Alltag geworden ist, wäre ohne Kunststoff nicht vorhanden. Und die hygienischen Verpackungen der Lebensmittel im Supermarkt sind ebenfalls nur mit Plastik möglich. Dort sind auch Einweg-Tüten den Tragetaschen aus Stoff hinsichtlich Infektionsschutz überlegen: Lebensmittel, Menschen und Mikroorganismen treffen beim Einkaufen aufeinander. Da nur wenige Kunden ihre Mehrweg-Taschen waschen, können diese zu Viren-Transporteuren werden.

Eine Welt ohne Kunststoff ist nicht denkbar

Ausgerechnet das mit schlechtem Image behaftete Plastik beweist also in der Krise, wie unverzichtbar es ist.  Dabei sollte ohnehin klar sein, dass eine Welt ohne Kunststoff nicht vorstellbar ist, so Karlinger: „Energie- und Kommunikationstechnik, Auto- oder Flugzeugteile, Baustoffe, elektronische Geräte, Hygieneartikel, Schuhe und Sportgeräte – die Liste ließe sich schier endlos fortsetzen. Unsere Gesellschaft ist auf die Verwendung von Kunststoff zwingend angewiesen.“ Und doch hat Plastik ein veritables Akzeptanzproblem, das auch Karlinger und seine Kollegen aus dem Studiengang Kunststofftechnik zu spüren bekommen. Der Kampf gegen Plastik ist modern, was auch das EU-Verbot von bestimmten Wegwerfartikeln und eine geplante europaweite „Plastiksteuer“ ab 2021 beweisen.

Für Prof. Dr.-Ing. Johannes Schroeter ist klar, wohin der Weg führt: „Wir müssen die Entwicklung und Wiederverwertung von Kunststoffen nachhaltig ausrichten. Das bedeutet, den Anteil nachwachsender Rohstoffe in Kunststoffprodukten zu erhöhen und die Wiederverwendung von Plastik zu verbessern“, erläutert Schroeter, der im Studiengang Kunststofftechnik unter anderem im Bereich Umwelt und Recycling forscht und lehrt. Der niedrige Ölpreis infolge der Corona-Krise entzieht den Herstellern aktuell jedoch die Reize, verstärkt auf Rezyklate zu setzen. Hier liegt für die Zukunft großes Potenzial, ist Schroeter überzeugt, aber dafür müsse auch die Abfalltrennung noch besser funktionieren.

Natürliche Polymere als Alternative

Bei der Forschung für nachhaltige Kunststoffe spielen auch natürliche Polymere verstärkt eine Rolle. „Cellulose hat den größten Anteil bei der jährlichen Bildung von Biomasse auf unserem Planeten. Damit ist der Stoff eine nahezu unerschöpfliche Ressource für den steigenden Bedarf an umweltgerechten und biokompatiblen Materialien“, erklärt Schroeter. Der Markt dafür wachse und ebenso die Forschungsaktivitäten zu bio-basierten Kunststoffen. „Wir erkunden fortwährend neue Werkstoffe und deren Anwendungs- und Verarbeitungsmöglichkeiten. Unsere Studierenden bekommen alle Kompetenzen vermittelt, die für die Entwicklung und Fertigung von zukunftsorientierten Produkten notwendig sind.“

Die Absolventinnen und Absolventen haben nach Worten von Studiengangsleiter Karlinger hervorragende Chancen im Arbeitsmarkt. Ingenieure der Kunststofftechnik seien in zahlreichen Branchen gefragt, beispielsweise in den Bereichen Medizintechnik, Bauwirtschaft, Verpackungstechnik, Freizeit, Mobilität und in der Elektroindustrie.

Old Browser Link