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Philae und der Komet: Eine eisige Beziehung

Vor rund zehn Jahren startete der Kometenlander „Philae“ mit dem Mutterschiff „Rosetta“ die Forschungsreise zum Kometen „67P/Tschurj“. Seitdem gibt es viele neue Erkenntnisse über die physikalisch-chemischen Eigenschaften von Kometen. Berndt Feuerbacher, einer der Väter der Landesonde Philae und Gründungsdirektor des DLR-Instituts für Raumfahrtsysteme in Bremen, referierte über die außergewöhnliche Mission Ende Juni an der Hochschule Rosenheim.

In seinem Vortrag begeisterte er mehr als 250 Zuhörer mit ausführlichen Informationen zum Abenteuer, der Landung und ersten Ergebnissen. Dabei wurde deutlich: Kometen trugen in der Vergangenheit wichtige Bausteine für die Entstehung des irdischen Lebens bei.

Mit einer anschaulichen Einführung in die Welt der Kometen zog Referent Berndt Feuerbacher die Zuschauer gleich zu Beginn in seinen Bann. Er verdeutlichte, dass Kometen nicht nur mit ihrer Schweifgestalt die Phantasie der Menschheit anregen, sondern einen viel größeren wissenschaftlichen Beitrag zur Entwicklung der Erde beitragen als bisher angenommen. Dies beruht auf der Tatsache, dass Kometen zusammen mit der Sonne und anderen Planeten entstanden sind und diese Ureigenschaften konserviert haben. Darüber hinaus sind sich viele Forscher sicher, ein Teil unseres irdischen Wassers stammt von Kometen. Um eben diesen Vermutungen nachzugehen, starteten Rosetta und Philae vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou (Frankreich) im März 2004 zum Kometen 67P/Tschurj. Nach einer Begegnung mit den Asteroiden „Steins“ und „Lutetia“ und einem Winterschlaf im Weltraum nach Passieren der Jupiterbahn, war das Ziel, der Komet, zehn Jahre später – im Jahr 2014 – in Sicht.

Ausgestattet mit neun Kameras, zwei Massenspektrometern, einem Alphapartikel-Röntgenspektrometer (APXS) sowie einem Eisbohrer wurde der Kometenlander Philae schließlich vom Mutterschiff Rosetta durch ein Abwurfmanöver zum Kometen abgeworfen. Nach dessen erfolgreicher Landung können bereits die ersten Erkenntnisse über Oberfläche, Struktur und Innenleben des Kometen präsentiert werden: Der Komet 67P/Tschurj hat einen Durchmesser von vier Kilometern, eine unregelmäßige Form und ist „schwarz wie die Nacht“. Ein horizontaler Staubtransport hat außerdem ein steiniges Terrain und Sanddünen auf dem Kometen selbst zur Folge. Für die Forscher ist dies ebenso überraschend wie die Feststellung, dass rund vier Mal mehr Staub als Gas auf dem Kometen existiert. Als „poröser und eisiger Dreckballen“ ist er nur halb so dicht wie Wasser und würde auf einem Ozean schwimmen. Außerdem enthält er gefrorene Flüssigkeiten, die auf organische Verbindungen, wie z. B. Aminosäuren, untersucht werden. Dadurch erhoffen sich die Forscher einer Antwort auf die Frage zur Herkunft des Lebens näher zu kommen.

Feuerbacher begeisterte alle Besucher mit seinem knapp 90-minütigen Vortrag. Viele Zuhörer lobten die hohe Qualität des Vortrags und den Enthusiasmus des Referenten. Stellvertretend für die Begeisterung des Publikums berichtete der Besucher Helmut Kaps: „Das war ein phantastischer Abend mit einem faszinierenden Referent, dessen Begeisterung für sein Fach und seine Arbeit jede Sekunde zu spüren war.“ Und eins ist sicher: Auch die Begeisterung um Philae wird nach einer erneuten Kontaktaufnahme Ende Juni nicht abreißen und der Forschung weitere Erkenntnisse liefern.

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