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Studium Physiotherapie – ist das wirklich mein Ding? Theresia Lechner

Ich könnte hier jetzt wahrscheinlich einen ellenlangen Bericht über die Vor- und Nachteile dieses Studiengangs schreiben. Nach 4 Semestern hat sich natürlich so Einiges angesammelt. Doch ellenlange Berichte liest erfahrungsgemäß keiner gerne. So möchte ich einfach in Stichpunkten ein kurzes Resumé der letzten Jahre ziehen.

Physiotherapie Student/in: Was heißt das genau?

  • An seine Grenzen gehen und diese überschreiten
  • Unmengen an naturwissenschaftlichem Wissen über den eigenen Körper: von den Organen (im gesunden und kranken Zustand), über die Grundlagen des Lebens bis hin zu jedem einzelnen Muskel und dessen Funktion
  • Die Kunst des „mit den Händen Wahrnehmens“ für jede erfühlbare Struktur im Körper (Muskeln, Bänder, Sehnen, Organe usw.)
  • Ein Gespür entwickeln den Menschen/Patienten als großes Ganzes zu begreifen, mit all seinem Wünschen, Zielen und Problemen
  • Einen großen „Werkzeugkoffer“ aneignen für alle erdenklichen Krankheiten/Probleme
  • Wenig Semesterferien, viel Lernen
  • Unbezahltes Praktikum mit unbezahlbaren Erlebnissen (manchmal lustig, herzerwärmend und tieferfüllend, manchmal traurig, erschütternd und ermüdend)
  • Das Gefühl haben, so viel zu wissen und doch nie alles wissen zu können
  • Medizinische Studien kritisch hinterfragen und sich wissenschaftlich hochwertige Informationen beschaffen können
  • Als „Massagemäuschen“ unterschätzt werden
  • Machtlos sein gegenüber den wenigen Geldern der Krankenkassen für Physiotherapie und Verzweifeln am deutschen Gesundheitssystem
  • Tiefe Dankbarkeit der Patienten erfahren und davon teilweise wochenlang zehren
  • Die Fähigkeit wissenschaftlich fundierte Vorträge zu halten und diese gekonnt rüber zu bringen
  • Ehrliches Feedback in allen Semestern seitens der Lehrkräfte/Dozenten
  • Eine kleine Anzahl von Studenten sein und in dieser Gruppe eine ehrliche und tragende Gemeinschaft erleben
  • Jegliches Schamgefühl gegenüber Berührung und nackter Haut ablegen und ein neues Körpergefühl entwickeln
  • Langjährig studierten Fachärzten seitens der Patienten vorgezogen werden
  •  Das Erlernen der eigenen Grenzen und das trotzdem „bei sich bleiben“

Und zu guter Letzt ein kleiner Spruch den ich damals in meinem Vorstellungsgespräch zum Besten gegeben habe und der nach wie vor meine Motivation und Liebe zur Physiotherapie widerspiegelt:

„Der schönste Dienst, dem man einem Menschen erweisen kann, ist ihm zu helfen, sich selbst zu helfen.“ (Ralph Emerson)

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