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Stephan Thurm referiert über Disruption konventioneller Medien

Zum fünften Mal fand am vergangenen Donnerstag die jährliche Highlightveranstaltung des Wirtschaftskolloquiums Bayerns statt. Die Initiatoren hatten zum Vortrag von Stephan Thurm, Chief Digital Officer der Funke Mediengruppe in Berlin, an die TH Rosenheim eingeladen.

Stephan Thurm, Chief Digital Officer bei der Funke Mediengruppe referierte anschaulich über den Wandel in der Medienbranche.

Moderatorin Prof. Brigitte Kölzer, Stephan Thurm und Prof. Heinrich Köster, Präsident der TH Rosenheim.

Beim gemütlichen Get Together nach der Veranstaltung blieb noch Zeit sich über den Vortrag auszutauschen.

Moderatorin Prof. Brigitte Kölzer begrüßte Stephan Thurm in seiner Heimat Rosenheim. Unter dem Titel „Herausforderung Digitalisierung: 20 Jahre Disruption in der Medienbranche“ referierte Thurm darüber wie die Digitalisierung die Medien verändert hat.

„Ich bin mit der digitalen Disruption aufgewachsen, denn die Medien waren der erste Bereich in dem die Digitalisierung massiv durchkam. Das begann mit itunes, wo man plötzlich einzelne Titel hören konnte, anstatt das ganze Album zu kaufen oder heute bei Streamingdiensten wie Spotify, wo man Musik mieten kann“, erklärte Thurm. Heutzutage beträfe die Digitalisierung die Banken ebenso wie die Industrie und wer nicht mit der Zeit gehe, laufe Gefahr unterzugehen. Bekannte Opfer seien Firmen wie Kodak oder Nokia, beides Weltmarktführer in ihrem Bereich und zu ihrer Zeit, doch zu langsam, um dem Fortschritt zu folgen.

„Die Digitalisierung unserer Welt hat gerade erst begonnen. Durch die exponentielle Rechenleistung von Computern wird sie ständig beschleunigt. Das Problem vieler Firmen sind die Beharrungskräfte, denn es kostet Unternehmen das Leben, wenn man auf Traditionellem besteht und sich nicht ständig neu erfindet. Die Geschwindigkeit gibt dabei die Digitalisierung vor“, so Stephan Thurm.

Im Bereich der Medien ist dieser Wandel bereits weit fortgeschritten. Die Gesamtauflage deutscher Zeitungen ist seit 1991 um 50% gesunken, junge Menschen suchen nach Nachrichten nur noch online. Diese veränderte Mediennutzung führt dazu, dass Zeitungen heute mit Portalen für Stellen oder Immobilien konkurrieren müssen.

Klassische Medienhäuser versuchten nun beides unter einen Hut zu bringen und das gedruckte Material auch digital zu publizieren. Ein Trugschluss, so Thurm. „Es ist naheliegend das Material zu verwenden, das man schon hat. Aber das funktioniert nicht, weil digitale Inhalte ganz anderes aufbereitet werden müssen. Deshalb muss es eine duale Transformation geben, bei der man sich eigentlich selbst Konkurrenz macht. Das machen wir bei Funke. Jeder muss für sich kämpfen und unabhängig voneinander gut sein“, führte er aus.

Dieses Konzept scheint bei der Funke Mediengruppe großen Erfolg zu haben. Mit 12 Tageszeitungen und rund 4 Millionen Lesern täglich ist das Unternehmen heute einer der großen Spieler in der Medienlandschaft. Dennoch bringt der Wandel auch Nachteile mit sich, die Stephan Thurm klar benennt. Im digitalen Geschäft braucht man nur noch 50 statt bisher 500 Mitarbeiter wie in der Produktion einer Printzeitung. „Wir schaffen es nicht alle Mitarbeiter in die digitale Welt mitzunehmen, denn man kann die alte Organisation nicht eins zu eins beibehalten. Bisher setzen wir auf Stellenabbau durch Rente, aber man muss leider klar sagen, dass nur wenige den Sprung von Print zu Digital schaffen. Digitale Mitarbeiter haben einen anderen beruflichen Background“.  Durch die Digitalisierung werde alles immer billiger, auch das bringe Herausforderungen für die Arbeitswelt mit sich. So fühle es sich für Mitarbeiter im Printbereich manchmal so an, als ob sie die Arbeit der Vergangenheit, ihre Kollegen aus dem Digitalbereich die Arbeit der Zukunft machen würden.

Die anschließende Runde nutzten die Gäste um Stephan Thurm Detailfragen zu stellen und seinen Vortrag in einen größeren Kontext zu setzen. Sind diese Erkenntnisse weltweit anwendbar oder beschränken sie sich auf unseren Raum? Thurm geht davon aus, dass „das ein weltweiter Prozess ist, der in den USA noch viel stärker ist als bei uns. Denn amerikanische Zeitungen leben fast ausschließlich  von Werbung, die nun wegbricht. In Deutschland haben wir eine viel stärkere Abobeziehung.

Trotz des Titels seines Vortrags und der ehrlichen Argumente zu den Schattenseiten der Digitalisierung schloss Stephan Thurm mit den Worten, dass er sehr gerne in der Medienbranche arbeite, da es Bedeutung habe. Nach wie vor sei guter Journalismus geschätzt und das wolle er beibehalten. Beim gemütlichen Get together im Anschluss im Foyer der TH Rosenheim mischten sich die Gäste und plauderten in ungezwungener Stimmung.

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