Seeoner Gespräche zur Disruption durch die Digitalisierung

Zum Austausch zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik hatte der Seeoner Kreis zu den Seeoner Gesprächen eingeladen. Das Thema war die Digitalisierung und die Herausforderungen dieser Transformation.

Die Seeoner Gespräche vereinen Protagonisten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik

Prof Dr. Horst Wildemann sprach über das Management im digitalen Zeitalter

Digitalisierung zum Anfassen: Prof. Oliver Kramer zeigte live die Arbeit der TH Rosenheim im Bereich Industrie 4.0

Ministerialdirigent Christian Schoppik ging in seinem Vortrag „Hightech Agenda Bayern – Innovationsoffensive für eine Welt im disruptiven Wandel“ auf die Rolle der Politik ein. Es gäbe zahlreiche Anzeichen für diese Veränderung durch die Digitalisierung, die Hightech Agenda Bayern sei die Antwort des Freistaates auf diese Herausforderungen. „Wir sind stolz auf unsere Produktion, aber die Dematerialisierung der Wertschöpfung verändert sich exponentiell“, so Schoppik. „In Bayern hat die Industrie den Wandel erkannt und steuert nun massiv dagegen“. Die Aufgabe des Staates sei es durch die Schaffung der richtigen Studiengänge und genug Studienplätzen den Bedarf der Wirtschaft an Fachkräften zu antizipieren, um so rechtzeitig die nötigen Mitarbeiter parat zu haben.

Nahtlos an Christian Schoppik schloss sich der Vortrag von Prof. Heinrich Köster, Präsident der Technischen Hochschule Rosenheim, an. Seine Sicht der Dinge komplementierte das Konzept der Politik. „Auch im Ministerium geht es nach Leistungsprinzipien und dem volkswirtschaftlichen Nutzen. An der TH beschäftigen wir uns intensiv mit KI. Wir müssen uns spurten, um im Rennen zu bleiben, denn es geht nicht nur um die Produkte, sondern vor allem um die Technologie“. Kompetenzen vereinigen und bündeln, ist das Credo. Dafür muss die Lehre neu gedacht werden. „Als Technische Hochschule haben wir die Aufgabe die Produktivität durch KI zu steigern und den Abbau von Barrieren zwischen Mensch und Maschine voranzutreiben. Wir freuen uns auf diese Herausforderung und gehen mit dem Ministerium Hand in Hand“, so der Präsident der TH Rosenheim.

Konkret wurde der Vortrag von Heinrich Köster in der anschließenden Präsentation der Professoren Uwe Strohbeck, Oliver Kramer und Gerd Beneken. Sie stellten das Innovationslabor vor. Bei allen Projekten steht das Tun des Studenten im Vordergrund, Wissen wird praktisch nebenbei erworben. „Erfolgreiche Lehre ist immer noch völlig analog, echte Kunden, echte Fragestellungen, individuelles und regelmäßiges Feedback für die Studierenden, dann die Ergebnisse öffentlich teilen. Das ist motivierend für die Studierenden, sie identifizieren sich mit ihrem Projekt und lernen Eigenverantwortung“, so Gerd Beneken. Oliver Kramer zeigte auf der Bühne in der Praxis die Arbeit des Proto_labs: eine dezentrale, mobile und flexible Produktion, die einen durchgängigen I4.0 Prozess ermöglicht. „Wir gehen weg von der klassischen Vorlesung und schaffen Räume für Entfaltung um Führung zu lernen“, beschrieb Kramer.

Als zentralen Redner hatte der Seeoner Kreis dieses Jahr Prof. Dr. Horst Wildemann geladen. Der Experte für digitale Transformation sprach über Management im digitalen Zeitalter. „Die Digitalisierung erfordert ein anderes Management, wir sind in einer Krise, die von der Technologie getrieben wird. Veränderungen sind nicht mehr planbar, sondern disruptiv und die Unsicherheiten im Management nehmen durch die Globalisierung und das Kundenverhalten zu. Dazu hat sich die Wettbewerbsintensität erhöht“, erklärte Wildemann.

Das zentrale Problem werde der Verlust von Stellen sein. Wildemann erklärte diese Entwicklung mit drastischen Worten: „Die Technologie führt zu Freisetzungsmechanismen um die 50%. Die, die rausfliegen bringen Sie trotz bester Ausbildung nicht in andere Stellen hinein. Es ist gut, dass der Staat hier schon die Initiative ergreift, weil man diese Transformation im Management berücksichtigen muss. Ich brauche eine Vision und muss meine Mitarbeiter einschwören, damit sie mitziehen“. Wildemann rief die Manager dazu auf alte Denkmuster zu durchbrechen, agilere Entscheidungswege zu entwickeln, analoge und digitale Prozesse zu vereinen und sich den neuen Veränderungen zu stellen, um einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil zu gewinnen.

An der anschließenden Diskussionsrunde nahmen die Protagonisten aus den verschiedenen Bereichen teil: Prof. Heinrich Köster als Vertreter der Bildung, Dr. Helmut Schwarz, Werksleiter der Krones AG in Rosenheim für die Wirtschaft, Ministerialdirigent Christian Schoppik für die Politik und Horst Wildemann als Experte für Unternehmensführung.

Die Frage Franz Winterers, Vorstandsvorsitzender des Seeoner Kreises, nach der Zukunft des Produktionsstandortes Bayern ging an Christian Schoppik. „Wir haben ein Problem bei den niedrig qualifizierten Arbeitnehmern in der Produktion. Deshalb gibt es die Diskussion um das Grundeinkommen oder die Robotersteuer. Der Staat muss Lösungen finden für das System der Umlage. Für freiwerdende Mitarbeiter fehlen Jobs, und wir stehen unter wirtschaftlichem Druck. Da muss ein neuer Gesellschaftsvertrag entwickelt werden. Wir müssen neu definieren was Erfolg und Arbeit ist, das wird eine riesige Leistung“.

Ein Schlüssel zum Erfolg wird das lebenslange Lernen sein. Heinrich Köster sieht die TH Rosenheim hier gut aufgestellt: „Wir sind sehr aktiv, haben viele Kooperationen. Unser Angebot in den Weiterbildungsstudiengängen wird sehr gut angenommen. Die Hochschule darf hier nicht nur einseitig etwas anbieten, sondern ganzheitlich“.

Der Wandel der Digitalisierung erfordert ein ganz anderes Wissen, andere Hierarchien und eine schnellere Planung, so Bettina Oestreich, Geschäftsführerin des Seeoner Kreises, abschließend. Die nächsten Seeoner Gespräche sind für den 20.11.2020 geplant.

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