Planspiel im Studiengang Pflege: Gemeinschaftsprojekt mit der KSH München

Erstsemestler des Bachelorstudienganges Pflege haben am 20. Dezember an dem Planspiel "Konstruktiver Umgang mit Konflikten" teilgenommen. Die Entwicklung des Planspiels am Campus Mühldorf am Inn erfolgte im Rahmen eines Projektes, das in Kooperation zwischen der Technischen Hochschule Rosenheim und der Katholischen Stiftungshochschule (KSH) München durchgeführt wurde.

Zwei Konfliktparteien begegnen sich zum Gespräch.

Die Studierenden werden mit Bewegungsübungen dazu angeleitet, sich von ihren Konfliktrollen wieder zu verabschieden

Studierende aus dem Bachelorstudiengange Pflegepädagogik der KSH München konzipierten das neues Planspiel für Studierende des Bachelorstudienganges Pflege am Campus Mühldorf am Inn. Das Ergebnis war eine Win-Win-Situation: Die Münchner Studierenden konnten kurz vor ihrem Abschluss die komplexe Planspielmethode mit einer realen Lerngruppe üben. Die Pflegestudierenden wiederum erhielten durch das Planspiel die Gelegenheit, eine abwechslungsreiche didaktische Methode zu erleben, die sich von einer klassischen Lehrveranstaltung deutlich abhebt.

Was ist ein Planspiel?

Ein Planspiel beinhaltet eine möglichst realistische Konfrontation mit einer typischen Situation aus der beruflichen Praxis. Im Spielverlauf erhalten die Studierenden die Rollen der Akteure, die an dieser Situation beteiligt sind. Diese Rollen nehmen sie nicht im Einzelnen sondern als Kleingruppen von etwa fünf Personen ein. So kann innerhalb jeder Kleingruppe darüber beraten beziehungsweise diskutiert werden, welche Strategie verfolgt wird und welche Maßnahmen zu ergreifen sind. Die Spielleiter führen gezielt Begegnungen und Gespräche zwischen den Gruppen herbei und bringen durch sogenannte Ereigniskarten neue Impulse sowie Herausforderungen ins Spiel, die von den Akteuren zu lösen sind.

Was ist das Ziele des Planspiels?

Die Studierenden der TH Rosenheim können im Praxistransfer ihre kommunikativen Kompetenzen im Rahmen des Planspieles anwenden und deren Wirksamkeit erleben. Neben den Pflegestudierenden waren auch sechs Studierende der Sozialen Arbeit beteiligt, die das Modul Kommunikationstheorien als Wahlfach belegen.

Warum wurde für das Planspiel das Thema Konfliktbearbeitung gewählt?

Überall, wo Menschen zusammenarbeiten, treten zwangsläufig Konflikte auf. Als Konflikte gelten Situationen, in denen verschiedene Einstellungen, Erwartungen, Interessen, Ziele oder Verhaltensweisen aufeinandertreffen, die unvereinbar sind - oder auch nur subjektiv als unvereinbar wahrgenommen werden.

Der Pflegeberuf vollzieht sich in vielfältigen zwischenmenschlichen Interaktionen, zum Beispiel mit pflegebedürftigen Menschen, mit Angehörigen, mit Kollegen des Pflegeteams und mit Kollegen anderer Berufsgruppen (Ärzte, Psychologen, Physiotherapeuten etc.). In diese Interaktionsprozesse bringt jeder seine individuelle Sozialisation und Biografie ein, was die zwischenmenschlichen Begegnungen bereichert und gleichzeitig komplexer macht. Auch der Akademisierungsprozess der Pflege birgt Konfliktpotenzial, da dieser Veränderungen mit sich bringt. Wenn ein Konflikt auftritt, ist entscheidend, wie mit ihm umgegangen wird: Die Studierenden haben hierfür in der Lehrveranstaltung einen systematischen Prozess der Konfliktbearbeitung kennengelernt, den sie im Planspiel zur Anwendung bringen konnten.

Welche Konfliktsituation gab es im Planspiel?

Dargestellt wurden Konflikte zwischen einer Studierenden und einer Pflegenden in der praktischen Ausbildung. In weiteren Rollen waren auch eine Auszubildende der Pflegeausbildung, eine Stationsleitung und die Studiengangsleitung beteiligt.

Nach einer Einführungphase in die Methode Planspiel lernten die Studierenden die Konfliktsituation kennen und arbeiteten sich in ihre Rollen sowie ihre Handlungsstrategien ein. Danach wurde über die Dauer des gesamten Nachmittages gespielt und es fanden zahlreiche Begegnungen sowie Gespräche zwischen den Beteiligten statt, bei denen jeder aus seiner Rolle heraus die ihm wichtigen Interessen vertrat. Die Studierenden wuchsen so stark in ihre Rollen hinein, dass sie diese auch in der Pause nicht mehr verlassen wollten. Umso wichtiger war es, am Ende des Planspiels die gesammelten Erfahrungen zusammenzutragen und die Rollen wieder bewusst zu verabschieden.

Der Tag wurde bei den Beteiligten sehr positiv aufgenommen. Hier einige Zitate der Studierenden:  

  • „Das war ein spannender Tag, bei dem ich die Praxis erleben konnte, obwohl ich an der Hochschule war!“
  • „Ich habe meine Kommilitonen heute einmal ganz anders kennengelernt, das war super!“
  • Ich wusste gar nicht, wie schwierig aber auch hilfreich es sein kann, einen Konflikt zu klären!“

Auch das Fazit der Studiengangsleitung Prof. Dr. Katharina Lüftl fällt entsprechend positiv aus: „Das Planspielprojekt war eine Bereicherung für unsere Studierenden. Ich freue mich über jede Gelegenheit, bei der wir unsere Lehre um neue didaktische Impulse erweitern und dadurch Praxisbezüge herstellen können! Mein herzlicher Dank gilt der Spielleitung, die dieses Planspiel zu einem Erfolg gemacht hat.“

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