DeinHaus 4.0: Musterwohnung in Freilassing bereit für den Praxistext

Das Forschungsprojekt „DeinHaus 4.0“ verzeichnet weitere Fortschritte. Die Musterwohnung in Freilassing ist mittlerweile mit zahlreichen Assistenzsystemen ausgestattet, die auch von ersten Senor*innen auf ihre Praxistauglichkeit getestet wurden.

Das Bad in der Muster- und Testwohnung des Projekts "DeinHaus 4.0" in Freilassung - so ausgestattet, dass ein Leben in den eigenen vier Wände möglichst lange ermöglicht wird. (Bild: Chris Colman)

Das Forschungsprojekt „DeinHaus 4.0 Oberbayern“ der Technischen Hochschule Rosenheim will Bedarfe und Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung, Post-Reha Patient*innen, Menschen mit Pflegegrad und Senior*innen analysieren und verstehen, um ein möglichst langes, selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden im Alter zu ermöglichen. Darauf basierend werden die beiden Wohnkompetenzzentren in Amerang und im AWO-Seniorenzentrum Freilassing laufend mit technischen Assistenzsystemen, unterstützenden Produkten und Dienstleistungen ausgestattet und in einem alltagsnahen Wohnumfeld der Nutzen und die Akzeptanz von technischen Assistenzsystemen getestet und evaluiert.

Nächster Schritt: Testwohnen in Freilassing

In der Musterwohnung in Freilassing hat sich seit der Eröffnung im November 2021 einiges getan. Die Ausstattung mit technischen Assistenzsystemen und Hilfsmitteln für den Alltag wurde in den letzten Monaten ständig erweitert. Dabei reicht die Palette mittlerweile von höhenverstellbaren, ergonomischen und unterfahrbaren Möbeln über akustische und visuelle Trinkerinnerungen bis zu intelligenten Türschlössern und Sturzsensoren. Erste Senior*innen haben auch bereits Teile der Assistenzsysteme in der Praxis getestet und Feedback gegeben, um weitere Anpassungen vornehmen zu können. Voraussichtlich noch in diesem Jahr soll die Muster- und Testwohnung schließlich ihrem Namen alle Ehre machen und für Testwohnphasen zur Verfügung stehen. „Mit dem nächsten Schritt, dem Praxistest von Expert*innen und Senior*innen, können wir im alltagsnahen Wohnumfeld Forschen und praxistaugliche Ergebnisse erzielen“, so der stellvertretende Projektleiter Prof. Dr. Franz Benstetter von der Fakultät für Angewandte Gesundheits- und Sozialwissenschaften.

Veranstaltung für die breite Öffentlichkeit

Erlebbar wurde die Wohnung in Freilassing für eine breite Öffentlichkeit bereits in diesem Monat. Vertreter*innen der Region, der Sozialen Dienste, Expert*innen aus Gesundheit und Pflege sowie der Politik kamen zusammen, um den Fortschritt des Forschungsprojekts „DeinHaus 4.0“ zu verfolgen und sich über die regionale Versorgungsstrukturen zu informieren und auszutauschen. Außerdem wurden geführte Besichtigungen der Wohnung angeboten. Ergänzt wurde das Programm durch eine Vortrag von Prof. Dr. Peter Rieckmann, vom Medical Park Loipl, über neurologische Grundlagen, die für die Rehabilitation entscheidend sind um überhaupt von der Reha und digitalen Angeboten profitieren zu können.

In einer anschließenden Podiumsdiskussion mit Vertreter*innen des Landkreises, der Politik und der AOK wurde über die regionalen Versorgungsstrukturen gesprochen. Das wichtigste Anliegen aller Beteiligten war, dass Menschen im Alter oder mit einer Beeinträchtigung möglichst lange selbstbestimmt zu Hause wohnen bleiben können. Ebenso einig war man sich, dass die regionale Gesundheitsversorgung vor großen Herausforderungen steht: die immer älter werdende Gesellschaft, die Flächenstruktur im Landkreis Berchtesgadener Land mit vielen abgelegenen Gemeinden und der hohe Hilfe- und Informationsbedarf von Betroffenen und Angehörigen. Dem wurde bereits Rechnung getragen und das Beratungsangebot in der Region weiter ausgebaut und in Einrichtungen für Pflege und soziale Teilhabe investiert. Dazu Markus Hiebl, Bürgermeister von Freilassing: „Das Projekt ‚DeinHaus 4.0‘ ist ein Leuchtturmprojekt, das unser Angebot bestens ergänzt. Es ermöglicht unseren Bürgerinnen und Bürgern sich frühzeitig mit dem Thema des Älterwerdens auseinanderzusetzen und auch präventiv zu handeln“.

Um der Nachfrage an Informationsbedarf und Angeboten gerecht zu werden, müsste aber dringend mehr Personal für die Pflege- und Wohnberatung zur Verfügung gestellt werden, so Bezirksrat Georg Wetzelsperger und ergänzt, die Vernetzung aller Akteure der Sozialen Dienste würde  intensiviert, auch um Parallelstrukturen zu vermeiden. Dass es aber nicht alleine um ein „mehr“ in der Versorgung gehen kann, verdeutlichte Peter Krase, Vorstandsbevollmächtigter der  AOK Bayern: „Erlebbare Qualität muss vor reiner Quantität kommen: Hier verfolgen auch die Krankenversicherer verschiedene Strategien um innovative und digitale Services zu integrieren – was wieder zeigt, dass ein Zusammenspiel aller Beteiligten notwendig ist, um die Versorgungsstrukturen für die Zukunft zu rüsten.

Die Wohnung in Freilassing ist in engem Austausch mit den regionalen Partnern vor Ort entstanden. Zu den lokalen Partnern gehören allen voran die AWO, in deren neu eröffnetem Seniorenzentrum sich die „DeinHaus 4.0“ Musterwohnung befindet und der Landkreis Berchtesgadener Land. „Wir freuen uns, mit ‚DeinHaus 4.0‘ ein so interessantes Forschungsprojekt in der Region zu haben, das ein zusätzliches und so anschauliches Beratungsangebot für unsere Bevölkerung darstellt. Damit werden unsere bestehenden Beratungsangebote gestärkt“, so Caroline Puhlmann vom Landratsamt Berchtesgadener Land.

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